Unfallberichte aus dem Parachutist der United States Parachute Association
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 59/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 450/85+
Zeit im Sport: 9 Jahre
Gurtzeug: Strong Enterprise Quasar 2
Hauptschirm: Aerodyne Diabolo, Größe unbekannt, Wind Loading unbekannt
Reserveschirm: Parachutes Industries of South Africa Tempo170
AAD: Airtec Cypres
Helm: ja, Type unbekannt
RSL: Ja
Todesursache: Herzinfarkt im Freifall und keine Auslösung des Haupt- oder Reservefallschirms
Unfallhergang:
Der Springer sprang aus ca. 3000m (10.000ft) über Grund mit drei Kollegen aus einer Cessna 182, einer davon machte ein Video der 3er Formation. Der Freifall verlief ereignislos und die Springer trackten in einer nicht bekannten Höhe auseinander um genug Separation für die Schirmöffnung zu erreichen. Wie aus dem Bericht der Mitspringer hervor geht, wurde der Springer zuletzt in einer stabilen, jedoch schlaffen Körperhaltung gesehen, die er bis zum Aufschlag beibehielt.
Der Container war mit einem automatischen Öffungsgerät (AAD) ausgerüstet welches auch auslöste und den Loop des Reservecontainers durchtrennte. Die Reserve befand sich gerade in der Öffnungsphase als der Springer mit hoher Geschwindigkeit auf dem Boden aufschlug. Obwohl das AAD die Reserve korrekt in 225m (750ft) ausgelöst hatte konnten Zeugen die Öffnung jedoch erst kurz vor dem Boden beobachten. Das Freebag wurde in ungefähr 9m (30ft) Entfernung vom Springer gefunden. Erste Hilfe wurde sofort durchgeführt, der Tod wurde jedoch noch vor Ort festgestellt.
Schlussfolgerung:
Der Gerichtsmediziner fand Beweise eines Herz-Kreislauf-Kollapses und gab gekannt, dass der Springer mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vor dem Aufschlag klinisch tot war. Dennoch entstanden durch den Aufprall mehrere schwere Verletzungen und als Todesursache wurde eine starke Gehirnverletzung angeführt.
Die Auswertung der Daten des akustischen Höhenwarners zeigen eine Erhöhung der Freifallgeschwindigkeit ab ungefähr 760m (2500ft). Das war höchstwahrscheinlich der Zeitpunkt an dem der Springer das Bewusstsein verlor. Die Daten des AAD wurden im Service Center des Herstellers in den USA ausgewertet und zeigen, dass das Gerät korrekt ausgelöst hatte. Es war nicht möglich den Grund der verzögerten Reserveöffnung herauszufinden. Es fanden sich keine Verbrennungsspuren an der Reservebridle die eine eventuelle Verwicklung derselben angezeigt hätten. Der Pilot Chute der Reserve könnte möglicherweise durch die Luftverwirbelungen hinter dem Springer gefangen worden sein. Das kann eine Öffnung um mehrere Sekunden verzögern, da der Pilot Chute hinter dem Springer "herumspringt" bis er in den Luftstrom kommt.
Springer, die in der Risikogruppe der Herzinfarktpatienten sind sollten regelmäßige Checkups durchführen lassen um einen Überblick über den Gesundheitszustand zu bekommen. Experten empfehlen eine jährliche Untersuchung ab 40 Jahren.
Alter/Geschlecht: 33/weiblich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 480/nicht bekannt
Zeit im Sport: 3 Jahre
Gurtzeug: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Icarus Safire2 139, Wind Loading 1,4:1
Reserveschirm: Aerodyne Smart 150
AAD: Airtec Cypres 2
Helm: Vollvisier, Type unbekannt
RSL: Ja Skyhook
Todesursache: Aufschlag nach einer Reserveöffnung in niedriger Höhe
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall in einer 4er Formation separierten die vier Springer in 1370m (4500ft) und entfernten sich von einander. Die Springerin wurde von Zeugen in 60m (200ft) gesehen als der Pilot Chute der Reserve aus dem Container kam. Die Reserve kam erst kurz vor dem Aufschlag aus dem Freebag. Die Springerin war durch den harten Aufschlag sofort tot. Die Reserve befand sich außerhalb des Freebags, der Slider war noch ganz oben unterhalb der Kappe und die Reserve hatte nicht genügend Zeit sich voll zu entfalten bevor die Springerin am Boden auftraf.
Schlussfolgerung:
Das Freebag wurde ungefähr 9m (30ft) neben der Springerin gefunden. Das AAD hatte den Reserveloop durchtrennt und die Springerin hatte die Reserve selbst ausgelöst. Der Reservegriff wurde unter der Springerin gefunden. Die Springerin trug Handschuhe und Schutzkleidung, da die Temperatur in Exithöhe ca. -13° C (7° F) betrug. Ihr rechter Handschuh wurde in 1,5 bis 2m (5-7ft) Entfernung gefunden.
Der Hilfsschirm des Hauptschirms befand sich verstaut in der Tasche am unteren Teil des Containers (BOC), der Hackey Griff befand sich an der korrekten Stelle. Der Hilfsschirm konnte durch die Ermittler leicht gezogen werden und die Hilfsschirmverbindungsleine war richtig verstaut. Aufgrund der Tatsache, dass sich der rechte Handschuh nicht mehr auf ihrer Hand befand gehen die Ermittler davon aus, dass die Springerin Probleme mit der Lokalisation des Hilfsschirms hatte und sich den Handschuh noch im Freifall auszog.
Die Untersuchung des Gurtzeugs ergab, dass die Springerin den Reservegriff nach der Aktivierung des AAD's gezogen hatte. Das automatisch Öffnungsgerät hatte den Loop-Cutter aktiviert und der Loop der Reserve war durchschnitten. Der obere Teil des Loops, der durch den Cutter durchtrennt wurde wurde nicht gefunden. Das deutet darauf hin, dass der Loop noch vor der manuellen Aktivierung des Griffes durchtrennt wurde. Durchtrennt das AAD den Loop bevor der Griff gezogen wird, so leitet der Hilfsschirm der Reserve die Öffnung ein und zieht den abgeschnittenen Teil des Loops während der Öffnung aus dem Container. Bei Containern bei denen der Cutter am unteren Teil des Reservecontainers montiert ist, so wie in diesem Fall, kann man den abgeschnittenen Teil des Loops bei manueller Auslösung der Reserve in den meisten Fällen im Reservecontainer finden. Das entsteht dadurch, dass der Loop nach der Aktivierung nicht mehr gespannt ist und so nicht aus dem Container gezogen wird. Dieser Fall tritt dann auf, wenn der Springer den Reservegriff naher der Aktivierungshöhe des AAD's zieht und dieses auslöst obwohl die Reserveöffnung gerade manuell eingeleitet wurde.
Die Daten des AAD wurden im Service Center des Herstellers in den USA ausgewertet und zeigen, dass das Gerät korrekt ausgelöst hatte. Zeugen, die sich am Boden befanden berichteten, dass sie die Springerin erst in 60m (200ft) über Grund gesehen hätten, als die Reserve gerade aus dem Container kam. Möglicherweise befand sich der Hilfsschirm der Reserve nach der Aktivierung für einige Sekunden im Lee der Springerin und verzögerte so die Öffnung. Hilfsschirme mit Feder, so wie sie bei Reserven und manchen Schülerschirmen verwendet werden können nach Aktivierung einige Sekunden in den Verwirbelungen hinter dem Springer verweilen bis sie in den Luftstrom kommen und die Öffnung einleiten. Diese Störung kommt dann vermehrt vor, wenn der Springer flach und stabil mit dem Bauch nach unten fällt. In diesem Fall kann eine leichte Veränderung der Körperhaltung, wie z.B.. ein leichtes Lehnen zur Seite den Luftstrom hinter dem Springer verbessern und die Öffnung beschleunigen.
Bei einer totalen Störung fällt der Springer nach wie vor mit Endgeschwindigkeit welche ungefähr 55m/sec (179ft/sec) beträgt. Bei einer geplanten Öffnungshöhe von 900m (3000ft) bleiben 17 Sekunden bis zum Aufschlag, wenn kein Schirm ausgelöst wird. Je früher die Reserve aktiviert wird, desto besser. Eine Verzögerung von nur drei Sekunden bei der Reserveöffnung bedeutet einen Höhenverlust von 150m (500ft). Im Skydiver's Information Manual Section 5-1 wird empfohlen, dass bei einem Problem bei der Lokalisation des Hauptschirmgriffs nur zwei Versuche diesen zu finden gemacht werden und dann das Notverfahren eingeleitet wird. Diese Springerin verlor augenscheinlich wertvolle Höhe damit ihren Handschuh auszuziehen anstatt ihr Notverfahren durchzuführen.
Unfallberichte aus dem Parachutist der United States Parachute Association
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 61/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 800/1
Zeit im Sport: 40 Jahre
Gurtzeug: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Performance Designs Sabre 210, Wing Loading 1,2:1
Reserveschirm: Performance Designs PD 193R
AAD: nein
Helm: ja, Type unbekannt
RSL: nein
Todesursache: Kein Öffnen des Hauptschirms oder der Reserve und darauffolgender Aufprall
Unfallhergang:
Der Springer führte eine 2er Formation aus ca. 4000m (13000ft) durch. Sein Sprungpartner gab an, dass der Springer während des Steigfluges sehr nervös und während des Freifalls nicht besonders stabil war. Er führte die vereinbarten 360 Grad Drehungen nicht durch sondern deutete durch ein Kopfschütteln "nein" an und die Formation wurde bis ca 1500m (5000ft) gehalten. Der Springer wurde beim Ziehen unstabil und begann schnell zu drehen. Er blieb bis zum Aufschlag unstabil und aktivierte weder seinen Hauptschirm noch seine Reserve. Sein Tod wurde noch am Unfallort festgestellt.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer war in den letzten 12 Monaten nicht gesprungen und die Ermittler gehen davon aus, das er kein Training von einem Coach oder Lehrer zur Wiederholung vor diesem Sprung bekam. Das Skydiver Information Manual empfiehlt in der Section 5-2, dass alle C- und D-Lizenzinhaber (Equivalent zur deutschen oder österreichischen Lizenz), die keinen Sprung in den letzten sechs Monaten absolviert haben mindestens einen Sprung unter der Supervision eines Lehrers durchführen damit sie beweisen, dass sie das nötige Können das für die Lizenz vorausgesetzt wird mitbringen. Springer, die längere Zeit nicht gesprungen sind, sollten ein entsprechendes Training, abhängig von ihrer vorhergehenden Erfahrung und der zurückliegenden Zeit seit dem letzten Sprung erhalten.
Da dieser Springer ein ganzes Jahr nicht gesprungen war und nur 800 Sprünge in 40 Jahren absolviert hatte, hätte er eine intensive Vorbereitung direkt vor dem Sprung benötigt. Das Training nach einer langen Pause sollte sehr ernst genommen werden und nach genauen Richtlinien durch einen erfahrenen Lehrer erfolgen. Keinesfalls soll es auf die leichte Schulter genommen oder ganz gestrichen werden.
Der Bericht gibt auch an, dass der Springer erst kurz vor dem Unfall auf ein Bottom-of-Container System gewechselt und die meisten Sprünge davor mit einem Pilot Chute am Beingurt gemacht hatte. Er könnte auf die falsche Stelle gegriffen oder Probleme mit dem Auffinden des Auslösegriffs gehabt haben. Mit 61 Jahren könnte er eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Schulter und dadurch Probleme mit dem Erreichen des BOC Handdeploys gehabt haben. Auslöse-Übungen vor dem Sprung hätten zur Lösung des Problems beitragen können.
Die Ermittlungen ergaben, dass die Ausrüstung funktionstüchtig war. Das Handdeploy, das Abtrennkissen und der Reservegriff waren noch verstaut, funktionierten aber einwandfrei. Wenn ein Springer seinen Hauptschirmgriff nicht finden kann muss er sein Notverfahren einleiten. Training und Sprungvorbereitung sollen immer auch die Notverfahren beinhalten, besonders dann, wenn der letzte Sprung länger zurück liegt. Der Springer hat wahrscheinlich sein Höhenbewusstsein verloren, während er versucht hat, sein Handdeploy zu finden und dadurch auf sein Notverfahren vergessen. Eine Wiederholung der Notverfahren vor dem Sprung hätte das verhindern können.
Im Gurtzeug war kein Öffnungsautomat installiert. Die Basic Safety Requirements des SIM schreiben AAD's für Schüler vor und empfehlen sie für alle lizensierten Springer jeder Erfahrungsstufe. Hätte der Springer ein AAD benutzt, hätte dieses wahrscheinlich den Reserveschirm in ausreichender Höhe aktiviert und eine sichere Landung wäre möglich gewesen.
Alter/Geschlecht: 46/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 9000+/400+
Zeit im Sport: 16 Jahre
Gurtzeug: Mirage Systems G3
Hauptschirm: Performance Designs Velocity 90, Wing Loading 2,2:1
Reserveschirm: Performance Designs PD 113R
AAD: Airtec Cypres
Helm: Gath
RSL: nicht bekannt
Todesursache: Verletzungen im Kopf- und Nackenbereich nach einer harten Landung ohne flaren
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und einer normalen Schirmfahrt wurde dieser Springer beobachtet, wie er reglos und mit hängendem Kopf unter einem geradeaus fliegendem Schirm hing. Die Landung war hart und ohne flaren auf einem Stück Gras neben der Piste. Der Springer erlitt schwere Verletzungen am Kopf, im Gesicht und am Oberkörper und wurde trotz sofortiger Erste-Hilfe-Maßnahmen noch am Unfallort für tot erklärt.
Schlussfolgerung:
Die Hauptschirmöffnung und der Beginn der Schirmfahrt waren dem Bericht zu Folge ereignislos. Der Springer hatte den Slider kollabiert, ihn über die Steuerschlaufen nach unten gezogen und die Bremsen gelöst. Dies war die normale Abfolge von Tätigkeiten nach der Schirmöffnung dieses Springers. Zeugen berichteten, sie hätten den Springer teilnahmslos unter seinem Schirm gesichtet, als er sich noch ungefähr 120-150m (400-500ft) über dem Boden befand. Er machte keine Versuche mehr den Schirm zu steuern oder zu flaren. Zu irgend einem Zeitpunkt nach dem Lösen der Bremsen wurde er unfähig seinen Schirm zu steuern und hing bewusstlos in seinem Gurtzeug.
Die medizinische Untersuchung zeigte mehrere Gehirnquetschungen und Blutungen. Die meisten davon wurden durch die harte Landung hervorgerufen. Der Gerichtsmediziner fand allerdings auch Hinweise auf einen Schlaganfall, was die Bewusstlosigkeit während der Schirmfahrt erklären würde. Einige Zeugen berichten, er hätte die Hände über dem Kopf an den Steuerschlaufen gehabt, andere wollen gesehen haben, dass die Arme neben dem Körper hingen. Die Ermittlungsberichte befassen sich nicht mit diesem Thema. Jedenfalls schlug der Springer hart am Boden auf ohne den Schirm zu bremsen.
Der Springer benützte einen cross-braced Schirm mit einem Wing Loading von 2,2:1, welcher eine beachtliche Vorwärtsgeschwindigkeit und ein beachtliches Sinken aufwies. Durch die harte Landung erlitt der Springer mehrere starke Verletzungen an Kopf und Oberkörper. Es ist nicht klar ob der Schlaganfall oder die daraus resultierende harte Landung den Tod brachte. Der Springer trug einen Helm, der wenig bis keinen Schutz für sein Gesicht und seine Stirn bot. Dort erlitt er die schweren Verletzungen bei der Landung.
Es ist nahezu unmöglich festzustellen, wann ein medizinisches Problem auftreten wird. Regelmäßige medizinischen Untersuchungen können jedoch auf mögliche Gefahren in der Zukunft hinweisen. Regelmäßige medizinische Checks sollten vorallem bei über 40 Jährigen durchgeführt werden.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 37/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 1600/50
Zeit im Sport: 8 Jahre
Gurtzeug: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Icarus Extreme FX99, Wing Loading: 2:1
Reserveschirm: Performance Designs PD 113R
AAD: Airtec Cypres 2
Helm: nein
RSL: nein
Todesursache: Verletzung durch harte Landung nach einer niedrigen Drehung in Bodennähe
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen 2-way Freefly Sprung und einer normalen Schirmöffnung flog dieser Springer seinen Hauptschirm zur Hauptlandezone des Sprungplatzes. In einer unbekannten Höhe begann er eine 270° Drehung um eine high-performance Landung durchzuführen. Er schlug hart auf dem Boden auf, wahrscheinlich befand sich sein Schirm immer noch in einer steilen Kurve. Es gab keine Zeugen zu dem eigentlichen Unfall. Ca. 30 Sekunden nach ihm landete ein Springer der gleichen Load neben ihm und fand ihn bewusstlos vor. Der verletzte Springer wurde vor Ort erstversorgt bevor er mit der Rettung ins nächste Krankenhaus gebracht wurde. Dort verstarb er neun Tage später an seinen Kopfverletzungen.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer benutzte einen ausgeborgten 99sqft cross braced Hauptschirm. Der Bericht sagte aus, dass er mit diesem Schirm ca. 10-20 Sprünge gemacht hatte bevor der Unfall passierte. Der Unfall passierte beim dritten Sprung des Tages mit dem selben Schirm.
Der Springer begann eine 270° Drehung in einer unbekannten Höhe für seinen Endanflug. Für diese Art von Landung benötigt man normalerweise mindestens 210-250 m (700-800 ft) für den Beginn der Drehung um dem Schirm genügend Zeit zu geben, wieder in den Horizontal-Flug zu gelangen. Der einzige Zeuge befand sich im Anflug in ca. 400 m (1300 ft) Höhe über der Landezone und sah den Springer beim Beginn der Drehung, die Landung sah er nicht.
Der verletzte Springer erlitt Kopfverletzungen aber keine gebrochenen Knochen oder andere schwere Verletzungen. Der Springer trug keinen Helm. USPA verpflichtet Schüler zum Tragen von Helmen und empfiehlt auch allen erfahrenen Springern und Tandempassagieren eine ausreichende Kopfbedeckung. Es sollte klar sein, dass Springer, die high-performance Landungen durchführen wollen Helme tragen sollten um im Falle einer harten Landung ausreichend geschützt zu sein.
Dieser Springer hatte einige hundert Sprünge mit kleinen cross-braced Schirmen (69 und 89 sqft) gemacht. Das Wing Loading bei diesem Sprung betrug 2:1, welches der Hersteller als "extrem" bezeichnet und potentielle Käufer darauf aufmerksam macht, dass diese Kappengröße wenig bis keinen Raum für Fehler lässt. Der Springer hatte nur 50 Sprünge im letzten Jahr gemacht, was als sehr wenig bezeichnet werden kann. Vor allem wenn man einen Schirm dieser Größe mit einem solchen Wing Loading springen möchte. Professionelles Training und Übung sind notwendig um einen schnellen, kleinen Schirm sicher landen zu können. Aber es ist ebenfalls wichtig, regelmäßig zu springen um in Übung zu bleiben. Nach einer längeren Sprungpause ist es besser einen großen Schirm zu springen, bis man wieder in Übung ist.
Andere Springer dieses Sprungplatzes hatten den Springer schon auf seine Landungen angesprochen und sie als unbeständig beschrieben. Er hatte kein Coaching in Anspruch genommen sondern nur mit Springern mit mehr Erfahrung gesprochen. Ein strukturiertes Coaching mit einem erfahrenen Piloten kann die Gefahren von high-performance Landungen reduzieren. Trotzdem muss man sich im Klaren sein, dass selbst kleinste Fehler tödlich enden können.
Alter/Geschlecht: 45/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 95/95
Zeit im Sport: 1 Jahr
Gurtzeug: Sunrise Manufacturing Wings
Hauptschirm: Performance Designs Sabre2 170, Wing Loading 1,2:1
Reserveschirm: nicht bekannt
AAD: Airtec Cypres
Helm: Bone Head
RSL: ja
Todesursache: Harte Landung und multiple Verletzungen nach einer harten Öffnung
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Exit und Freifall öffnete dieser Springer seinen Hauptschirm in unbekannter Höhe. Es gibt keine Augenzeugen-Berichte über die eigentliche Öffnung, die Öffnung war jedoch so laut, dass sie die Aufmerksamkeit einiger Zuschauer erregte, die den Springer dann unter einer schnell drehenden Kappe beobachteten. Die Drehung hielt bis zum Aufschlag an. Die Zeugen berichteten, dass der Springer bereits während der Schirmfahrt bewusstlos erschien und keine Versuche unternahm die Drehung zu stoppen oder das Notverfahren einzuleiten. Erste Hilfe wurde vor Ort durchgeführt, der Springer wurde jedoch bereits am Unfallort für tot erklärt.
Schlussfolgerung:
Ermittler fanden den Hauptschirm mit beiden Vorbremsungen geschlossen, der Slider befand sich oberhalb der Riser und nicht kollabiert. Während der ersten Untersuchung konnte kein offensichtlicher Schaden am Schirm oder einem anderen Teil der Ausrüstung festgestellt werden. Die Drehung wurde vermutlich durch die asymmetrische Körperhaltung des Springers im Gurtzeug verursacht. Obwohl niemand die eigentliche Öffnung beobachtet hatte gehen die Ermittler davon aus, dass sich der Schirm nach Einleitung der Öffnung augenblicklich öffnete und der Springer durch den Öffnungsstoß das Bewusstsein verlor. Da harte Öffnungen einen lauten Knall erzeugen und Zeugen von einem solchen berichteten ist davon auszugehen, dass die Öffnung sehr hart war. Der Bericht des Leichenbeschauers inkludiert mehrere schwere Verletzungen, unter anderem mehrere Knochenbrüche und interne Verletzungen. Die gerissene Aorta ist die wahrscheinliche Todesursache. Diese Verletzung kann sowohl bei der Öffnung als auch bei der Landung eingetreten sein. In den letzten Jahren gingen einige Berichte über harte Öffnungen und daraus resultierende fatale Verletzungen bei der USPA ein. Obwohl die harte Landung unter einem drehenden Schirm multiple Verletzungen hervorruft war die gerissene Aorta in den meisten Fällen die Todesursache.
Die Schirmhersteller designen die Kappen so, dass sie möglichst weich und langsam aufgehen, trotzdem kann eine Reihe von Gründen zu einer harten Öffnung führen. Falsche Platzierung des Sliders, schlampiges Packen, lockere Gummis beim Einschlaufen der Leinen, eine unstabile Haltung beim Ziehen oder eine zu schnelle Freifallgeschwindigkeit können der Grund für eine härtere Öffnung sein.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 55/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 2402/nicht bekannt
Zeit im Sport: 27 Jahre
Gurtzeug: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Performance Research Nitro 150
Reserveschirm: Performance Designs PD 193R
AAD: Airtec Cypres 2
Helm: Bonehead Mamba
RSL: nein
Todesursache: Verletzung durch harte Landung nach einem Schlaganfall am Schirm
Unfallhergang:
Dieser Springer plante einen Solosprung mit einer Öffnungshöhe von 1500m (5000ft). Zeugen, die sich am Boden befanden gaben an, dass er zuerst in unbekannter Höhe am Schirm vom Landeplatz weggeflogen sei. Als er sich ungefähr 600m (2000ft) über Grund befand sahen sie, dass er leblos in seinem Gurtzeug hing und den Schirm nicht steuerte. Sein Schirm begann eine leichte Linksdrehung, die bis zum Aufschlag auf freiem Gelände anhielt. Erste Hilfe wurde sofort durchgeführt. Die Ersthelfer fanden ihn bewusstlos mit Gesichtsverletzungen und einem schwachen Puls vor. Er wurde in ein nahes Krankenhaus geflogen. Dort verstarb er noch am selben Tag.
Schlussfolgerung:
Im Unfallbericht wurde angegeben, dass der Springer einen entkräftenden Schlaganfall kurz nach der Schirmöffnung erlitt. Er öffnete die Bremsen und kollabierte seinen Slider, beides normale Aktivitäten nach einer Schirmöffnung. In ungefähr 600m (2000ft) dürfte der Springer sein Bewusstsein verloren haben, da er von diesem Zeitpunkt an seinen Schirm nicht mehr steuerte. Der Springer hatte einen elliptischen Schirm mit einem Wing Loading von 1,7:1, was eine rasche Vorwärtsgeschwindigkeit und ein großes Sinken zur Folge hatte. Obwohl der Grund der Drehung nicht eindeutig identifizierbar ist, ist doch anzunehmen, dass sie durch die Körperhaltung des Bewusstlosen im Gurtzeug hervorgerufen wurde. Der Aufschlag auf dem Boden währen der Drehung und mit voller Vorwärtsfahrt mit einem so hohen Wing Loading resultierte in tödlichen Kopf- und Nackenverletzungen, gebrochenen Rippen und Gesichtsverletzungen.
Der Leichenbeschauer gab als Todesursache Aufschlagsverletzungen nach einem Schlaganfall an. Obwohl der Springer zuerst einen Schlaganfall hatte wurden als Todesursache die schweren Verletzungen, die beim Aufschlag entstanden waren angegeben. Allerdings gab der Leichenbeschauer auch an, dass der Schlaganfall so schwerwiegend war, dass der Springer, selbst wenn er ihn am Boden gehabt hätte wahrscheinlich nicht überlebt hätte.
Je älter ein Springer ist, desto mehr sollte er auf die zusätzliche Belastung des Körpers achten und auf medizinische Besonderheiten Rücksicht nehmen (wie z.B. hoher Blutdruck oder Probleme mit dem Herz...). Dieser Springer wurde 2002 am Herzen operiert. Nach der Operation wurde er von einem Arzt wieder lufttüchtig geschrieben. Regelmäßige medizinische Kontrollen sind keine Garantie gegen Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Daher sollten vor allem jene Springer mit gesundheitlichen Problemen besonders auf ihr Befinden achten und beim Springen auf der sicheren Seite bleiben.
Alter/Geschlecht: 68/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 3800+/122
Zeit im Sport: 25 Jahre
Gurtzeug: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Performance Designs PD 190
Reserveschirm: Performance Designs PD 160R
AAD: Airtec Cypres
Helm: nicht bekannt
RSL: nicht bekannt
Todesursache: Herzinfarkt im Freifall
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen 6way Sprung berichteten Zeugen, dass sich der Springer in Separationshöhe unkontrolliert von der Gruppe entfernte. Er war solange unstabil bis sein Automatisches Öffnungsgerät seine Reserve öffnete. Erlandete ohne Bewusstsein unter seinem Reserveschirm, die Bremsen waren nicht geöffnet. Erste Hilfe Maßnahmen wurden sofort durchgeführt, der Springer wurde jedoch noch vor Ort für tot erklärt.
Schlussfolgerung:
Laut Autopsiebericht erlitt dieser Springer im Freifall einen Herzinfarkt und verstarb noch bevor er den Boden erreichte. Obwohl sein AAD den Reserveschirm in der richtigen Höhe aktivierte und er relativ sanft auf einem offenen Gelände landete war es dem Erste Hilfe Team nicht möglich ihn wieder zu beleben. Der Bericht gibt nicht an ob dieser Springer schon bekannte medizinische Probleme hatte, die das Risiko eines Herzinfarktes beim Fallschirmspringen erhöht hätten.
Wie schon beim vorangegangenen Unfallbericht beschrieben sollten Springer in der Risiko-Altersgruppe besonders auf ihr körperliches Befinden beim Springen achten und gegebenenfalls einen Arzt konsultieren.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Ein Springer mit 1100 Sprüngen und 12 Jahren Sprungerfahrung machte einen 2way Freefly Sprung aus 4570m (15.000 ft). Nach einem ereignislosen Freifall öffnete die zweite Springerin ihren Schirm in 1060m (3500ft). Der Springer blieb ihm Headdown und filmte ihre Öffnung. Erst dann drehte er sich um und fiel mit dem Bauch nach unten um seinen Schirm zu öffnen. Zeugen berichten, dass er seinen Schirm in ungefähr 240m (800ft) öffnete und danach verdrehte Fangleinen hatte. Zur gleichen Zeit öffnete das Cypres seinen Reserveschirm.
Die zwei Schirme drehten sich in ca. 90m (300ft) zum Downplane. Zeugen berichten, dass der Springer versuchte, die Hauptkappe zu kontrollieren indem er zuerst an beiden hinteren Haupttragegurten und dann an den Steuerleinen zog. Der Hauptschirm hatte weiterhin verdrehte Leinen und der Springer befand sich weiter unter einen schnelldrehenden Störung beider Schirme. Er schlug hart auf dem Boden auf und verlor das Bewusstsein. Er erlitt eine starke Kopfverletzung und mehrere gebrochene Knochen. Zu Redaktionsschluss des Parachutist war der Springer noch immer Bewusstlos, es gab keine weiteren Angaben über den Verlauf der Genesung.
Jeder Sprung in der Gruppe sollte eine Plan für die Separation und die Öffnung beinhalten, auch wenn die Gruppe nur aus zwei Personen besteht. Im Unfallbericht wurde nicht darauf eingegangen ob es geplant war, das der Springer die Öffnung der Springerin filmte. Die Separationshöhe muss immer so gewählt werden dass die Springer ausreichend horizontale Separation erreichen können bevor sie in einer sicheren Höhe ihre Schirme öffnen. Bei Sprüngen bei denen ein Springer die Öffnung des anderen filmt muss der erste Springer in einer Höhe öffnen die dem anderen erlaubt nach dem Filmen der Öffnung noch zu separieren und über 600m (2000ft - Mindestöffnungshöhe für USPA C- und D-Lizenzhalter) den Schirm zu öffnen.
Im Headdown verliert man durch die schnellere Geschwindigkeit und die veränderte Sichtweise leicht das Höhenbewusstsein. Der verunglückte Springer benutze keinen akustischen Höhenwarner. USPA's Skydiver's Information Manual Kapitel 6-2 empfiehlt zwei akustische Höhenwarner. SIM Kapitel 5-1 empfiehlt weiters, bei einer Downplane Störung die RSL (falls vorhanden und die Zeit es zulässt) zu lösen und den Hauptschirm abzutrennen. Dieser Springer verschwendete kostbare Höhe beim Versuch seinen Hauptschirm unter Kontrolle zu bringen. Ein Abtrennen des Schirms hätte vielleicht eine sichere Landung unter der Reserve ermöglicht.
Nach einem ereignislosen Freifall und einer normalen Schirmfahrt wurde dieser Schüler bei seinem ersten Sprung über die geplante Landewiese hinausgeblasen und fand sich im Endanflug über einer Betonfläche wieder. Er begann seinen Flare in 9-12m (30-40 ft) und beendete ihn noch immer viel zu hoch für eine normale Landung. Er landete hart auf dem Beton ohne eine Landerolle durchzuführen und brach sich dabei einen Unterschenkel.
Im Falle einer harten Landung kann eine Landerolle Verletzungen verhindern.
Der Bericht ging nicht darauf ein, ob der Schüler durch Funk mit einem Lehrer verbunden war. Der Gebrauch von Funkgeräten als Notfallplan kann Erstspringern helfen ihre Schirmfahrt korrekt durchzuführen und Hindernissen und harten Landeflächen auszuweichen
Ein Springer mit 200 Sprüngen und einem Wing Loading von 1,4:1 sprang in 1500m (5000ft) aus dem Flugzeug um eine Hochgeschwindigkeits-Landung durchzuführen. Vor dem Sprung wurde der Springer von einem Lehrer ermahnt vorsichtig zu sein und einen Helm zu tragen, was er aber nicht tat. In 30-60m (100-200ft) führte der Springer eine aggressive 180° Drehung durch und begann gleich danach mit einer zweiten während der er gleichzeitig mit seiner Kappe am Boden aufschlug. Nach dem Aufschlag flog er noch etwa 12m (40ft) weiter während er sich mit seinem Schirm und den Leinen verwickelte. Der Aufschlag war so hart, dass sich sein Reservecontainer öffnete.
Der Springer bekam sofort Erste Hilfe und wurde in kritischem Zustand in ein Krankenhaus geflogen. Er erlitt eine starke Kopfverletzung und mehrere Knochenbrüche in Bereich der Rippen, Hüfte und der Beine. Im Krankenhaus wurde er in ein künstliches Koma versetzt und operiert um die gebrochenen Knochen wieder zusammen zu setzen. Zu Redaktionsschluss des Parachutist befand der Springer sich bereits seit einem Monat im Koma. Der Safety and Training Advisor des Platzes gab aber bekannt, dass er langsam auf seine Umwelt reagierte.
Bei der USPA gehen jährlich viele ähnliche Berichte solcher Unfälle ein. Die meisten davon enden tödlich oder in sehr schweren Verletzungen. Springer, die Hochgeschwindigkeits-Landungen durchführen wollen sollten unbedingt professionelles Coaching in Anspruch nehmen und einer genauen Ausbildungs-Richtline folgen um alle nötigen Lernschritte erfolgreich durchzugehen. Das reduziert das Risiko bestmöglich. Trotz Trainings und Erfahrung sind Hochgeschwindigkeits-Landungen extrem gefährlich und Springer sollten genau überlegen ob sie schwere Verletzungen oder den Tod riskieren wollen.
Alle Drehungen müssen in ausreichender Höhe durchgeführt werden um dem Schirm die Möglichkeit zu geben gerade aus zu fliegen und um in der richtigen Höhe flaren zu können.
Eine Springerin mit 1000 Sprüngen kam an einen Sprungplatz um mit ihrem Gurtzeug zu springen, das sie erst kürzlich von einem Reserve-Repack zurück bekommen hatte. Als sie es inspizierte fiel ihr auf, dass das Reservekabel nicht richtig verlief da es nicht durch den Pin gezogen war. Bei ihrem System, einm United Parachute Technologies Micron (früher: Relative Workshop, Anm.d. Red.) war mit einer Sky Hook RSL ausgerüstet bei dem die RSL den Container verschließt und dabei durch eine Öse im Reservekabel verläuft. So ist es möglich, den Reservepin durch den Loop zu ziehen und die Klappen zu schließen ohne das Reservekabel einzuhängen. Da der Rigger, der das Gear gepackt hatte zu dieser Zeit nicht am Sprungplatz war, konsultierte sie einen anderen anwesenden Rigger. In diesem Fall hätte ein Ziehen am Reservegriff nicht eine Reserveöffnung zur Folge, da das Kabel nicht eingehängt worden war. Bei einer nichttragenden Störung hätte, nach Abtrennen der Hauptkappe die RSL die Reserve geöffnet. Bei einer totalen Störung hingegen hätte nur das AAD durch das durchtrennen des Reservepins oder ein direktes Ziehen an der RSL die Reserve geöffnet.
Der zweite Rigger packte die Reserve neu und verband die RSL und das Reservekabel korrekt.
Dieser Vorfall zeigt, wie wichtig ein genauer Gearcheck ist und wie wichtige es ist seine Ausrüstung genau zu kennen. Das gilt auch dann, wenn ein Gurtzeug gerade inspiziert und gepackt wurde.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 33 Jahre/männlich
Zeit im Sport: 5 Jahre
Gesamtsprunganzahl/in den letzten 12 Monate: 500+/50+
Gurtzeug: Sunrise Manufacturing Wings
Hauptkappe: Precision Aerodynamics Nitron 170
Wing Loading: 1,4:1
Reserve: Precision Aerodynamics Raven 181-M
AAD: nein
RSL: nein
Helm: Bonehead Havoc (mit Visier)
Todesursache: Harte Landung nach einer niedrigen Drehung
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und Schirmfahrt führte der Springer in unbekannter Höhe eine 180° Drehung und schlug noch während der Drehung hart am Boden auf. Er brach sich mehrere Knochen und erlitt innere Verletzungen denen er, trotz sofortiger erste Hilfe, noch am Unfallort erlag.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer landete außerhalb der normalen Landezone auf einem Feld nahe des Sprungplatzes. Her flog ohne ersichtlichen Grund mit Wind und die Ermittler nehmen an, er machte die 180° Drehung in niedriger Höhe um einer Stromleitung auszuweichen.
Dieser Springer hatte einen elliptischen Schirm mit einem Wing Loading von 1,4, welches der Hersteller für fortgeschrittene Springer empfiehlt. Der Hersteller gibt keine Sprunganzahl oder Erfahrung an, die nötig ist, diesen Schirm zu springen. Springer mit einem Wing Loading von 1,4 sollten sehr erfahrene Piloten sein. Mit 500 Sprüngen total und nur 50 Sprüngen in den letzten 12 Monaten könnte die Erfahrung des Springers ein Grund für den Unfall gewesen sein. Elliptische Schirme mit einem hohen Wing Loading verlieren bei einer Drehung rasch an Höhe und ein Springer muss sich darüber im Klaren sein, wenn er mit einem solchen Schirm fliegt. Der Endanflug muss genau geplant und alle Drehungen in ausreichender Höhe abgeschlossen werden.
Das Skydiver's Information Manual Kapitel 5-1 inkludiert eine Empfehlung für Außenlandungen welche speziell vor niedrigen Drehungen warnt. Bei einer Außenlandung muss der Springer die Umgebung nach Hindernissen absuchen und zwar in einer ausreichenden Höhe um gegebenenfalls eine alternative Landezone aufsuchen zu können. Ist eine geeignete Landefläche gefunden soll der Landeanflug den Gegebenheiten (Windgeschwindigkeit und -richtung, geographische Besonderheiten,..) angepasst werden.
Durch einen gebremsten Endanflug erzielt man eine langsamere, sichere Vorwärtsfahrt und Landung in ein unbekanntes Gebiet. Springer sollen den gebremsten Endanflug und Landung üben um mit den Eigenschaften ihres Schirmes vertraut zu sein. Alle Springer können von Schirmfahrt-Coaching profitieren. Viele Sprungplätze bieten Schirmfahrt-Kurse an und im SIM Kapitel 6-10 und 6-11 stehen hilfreiche Informationen und Übungen die, unter Anleitung eines Coaches ausgeführt, hilfreich sein können.
Alter/Geschlecht: 45 Jahre/männlich
Zeit im Sport: 12 Jahre
Gesamtsprunganzahl/in den letzten 12 Monate: 500+/27
Gurtzeug: Strong Enterprises Quasar II
Hauptkappe: Performance Designs Spectre 190
Wing Loading: 1,2:1
Reserve: Strong Enterprises Stellar 180
AAD: nein
RSL: nein
Helm: nein
Todesursache: Harte Landung nach einer niedrigen Drehung
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und Schirmfahrt leitete dieser Springer ein Drehung ein und schlug noch währenddessen hart am Boden auf. Die Ersthelfer fanden ihn bewusstlos auf der Seite liegend und selbstständig atmend. Er erhielt sofort erste Hilfe und wurde mit der Rettung in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht. Durch die harte Landung erlitt er schwere innere Verletzungen, ein Schädel-Hirn-Trauma und multiple Knochenbrüche. Aufgrund der Schwere der Verletzungen wurde er in ein anderes Krankenhaus überstellt wo er einige Stunden später verstarb.
Schlussfolgerung:
Ein Zeuge, der über dem Springer am Schirm flog sagte aus, dass der Springer kurz vor dem Aufschlag eine 180° Kurve flog. Ermittler gehen davon aus, dass er die Drehung zu tief begonnen hatte, es gibt allerdings keine Zeugen, die das bestätigen können.
Zum dem Zeitpunkt an dem die Load des Springers in den Flieger einstieg herrschte Windstille und so legten die sieben Springer die Landerichtung Richtung Westen fest solange der Wind nich deutlich aus einer anderen Richtung käme. Ein paar Minuten nachdem die Springer am Schirm hingen nahm der Wind etwas zu und kam von Süd-Ost. Dieser Springer flog zunächst gegen den Wind, drehte jedoch kurz vor dem Aufschlag in Richtung Nord-West. Er könnte seinen Endanflug gegen den Wind geplant und sich dann kurzfristig dazu entschlossen haben, doch in die vorher ausgemachte Landerichtung zu landen Es befanden sich keine Hindernisse in der unmittelbaren Umgebung die diese Entscheidung beeinflussen hätten können.
Der Unfallbericht beschreibt den Springer als konservativen Piloten der nie einen Schirmfahrt-Kurs besucht und auch sonst nicht mit einem Coach gearbeitet hatte. Die Anzeichen deuten darauf hin, dass diese Drehung zu niedrig eingeleitet wurde um in die ausgemachte Richtung zu landen, dennoch ist es schwierig die Gründe für diese Entscheidung zu finden.
Leichter und unkonstanter Wind kann der Grund für viele verschiedene Landerichtungen in einer Load sein da die einzelnen Springer versuchen gegen den Wind zu landen. Wind mit ein paar m/s hat keinen großen Effekt auf den Flare und es ist meisten sicherer für alle sich an die ausgemachte Landerichtung zu halten anstatt kreuz und quer zu landen. Kleine Fahnen und Windsäcke können bereits bei kleinen Windstößen die Richtung wechseln, was zur Verwirrung der Springer beitragen kann. Ein großer Pfeil oder Tetraeder ist nicht so anfällig für leichte Brisen und kann einer sichere Landerichtung anzeigen da er sich erst ab einer bestimmten Windgeschwindigkeit dreht.
Die meisten professionellen Kappenflug-Seminare inkludieren auch eine Diskussion zu verschiedenen Lande-Situationen und eine Landung quer zu Wind wird in einer kontrollierten, geplanten Situation durchgeführt.
Unabhängig von der der Windstärke ist es sicherer einen funktionstüchtigen Schirm mit Wind zu landen als eine niedrige Drehung zu machen. Alle Drehungen müssen in ausreichender Höhe abgeschlossen sein um dem Schirm die Zeit zu geben wieder gerade aus zu fliegen.
Alter/Geschlecht: 49 Jahre/männlich
Zeit im Sport: 12 Jahre
Gesamtsprunganzahl/in den letzten 12 Monate: 139/52
Gurtzeug: Velocity Sports Infinity
Hauptkappe: Icarus Safire2 189
Wing Loading: 1,3:1
Reserve: Performance Designs PD 176R
AAD: Airtec Cypres
RSL: ja
Helm: nicht bekannt
Todesursache: Harte Landung unter einem schnell drehenden Hauptschirm
Unfallhergang:
Nach einem ereingislosen Freifall öffnete dieser Springer seinen Hauptschirm in ca. 760m (2500ft). Es ist nicht bekannt ob der Springer irgendwann zwischen Öffnung und Landung einen steuerbaren Schirm hatte. Zeugenberichten zu folge hatte er eine schnell drehende Störung mit verdrehten Leinen für mindestens sieben Umdrehungen bevor er hart auf dem Boden aufschlug. Erste Hilfe Maßnahmen wurden sofort eingeleitet. Der Springer verstarb aufgrund schwerer innerer Verletzungen noch am Unfallort.
Schlussfolgerung:
Obwohl sich alle Zeugen darüber einig waren, dass dieser Springer am Beginn und am Ende seiner Schirmfahrt eingedrehte Leinen hatte, so berichten einige, dass er diese Verdrehung zwischenzeitlich gelöst, andere wiederum sind der Meinung, dass er die ganze Schirmfahrt über verdrehte Leinen gehabt hätte. Die Ermittler fanden den Springer mit beiden Steuerschlaufen in den Händen und beide Vorbremsungen waren gelöst. Das kann bedeuten, dass er die Verdrehung gelöst und die Bremsen geöffnet hatte um den Schirm zu steuern.
Dem Bericht zufolge hatte dieser Springer in der Vergangenheit oft aggressive Drehungen mit den Steuerleinen gemacht. Bei den meisten Schirmtypen ist es möglich durch schnelles herunterziehen einer Steuerleine den Schirm zum eindrehen zu bringen. In dieser Situation ist es schwierig wieder Kontrolle über den Schirm zu bekommen, da eine Steuerleine im heruntergezogenen Zustand in der Verdrehung gefangen ist. Der Schirm würde sich also solange drehen, bis der Springer die Verdrehung gelöst hätte. Diese Art von selbstverursachter Störung führte in der Vergangenheit zu einigen tödlichen Unfällen, da sie, in niedriger Höhe verursacht, dem Springer keine Zeit und Höhe mehr geben um das Problem zu lösen.
Wenn ein Springer einen Schirm über sich hat, mit dem er nicht sicher landen kann, so muss er in ausreichender Höhe sein Notverfahren einleiten. Kapitel 5-1 des Skydiver's Information Manual empfiehlt für Schüler und USPA A-Lizenzler eine Entscheidungshöhe von mindestens 760m (2500ft). B- bis D-Lizenzler sollten sich spätestens in 550m (1800ft) für das Notverfahren entscheiden.
Ab einer gewissen Höhe ist der Springer zu niedrig um noch sicher abzutrennen und die Reserve zu ziehen. Die einzige Möglichkeit abzubremsen ist dann, die Reserve ohne vorheriges Abtrennen zu öffnen. Obwohl das SIM keine spezielle Höhe für lizenzierte Springer nennt um direkt die Reserve zu öffnen so finden wir im Kapitel 4 den Hinweis für Schüler, im Falle einer Störung unter 300m (1000ft) ohne vorheriges Abtrennen die Reserve zu ziehen. Erfahrene Springer sollten sich nach reichlicher Überlegung und Einbeziehung der Ausrüstung eine Höhe festlegen unter der sie nicht mehr abtrennen. Diese Entscheidung muss vor dem Einsteigen getroffen werden um im Falle einer Störung korrekt handeln zu können.
Die Ermittler konnten keinen Fehler in der Ausrüstung des Springers erkennen und gehen davon aus, dass die schnelle Drehung und die Leinenverdrehung aus einer aggressiven Drehung mit den Steuerleinen resultierten.
Kategorie G des Integrated Student Programm inkludiert auch ein intensives Bodentraining zum Thema Schirmfahrt und Schirm-Übungen bei denen aggressive Drehungen geflogen werden sollen. Dadurch kann der Schüler seinen Schirm kennen lernen. Alle Übungen sollen über 760m (2500ft) abgeschlossen sein um im Falle einer Leinenverdrehung noch genügend Zeit für das Notverfahren zu haben.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 49/männlich
Zeit im Sport: 28 Jahre
Gesamtsprunganzahl/in den letzten 12 Monaten: 1347/175
Gurtzeug: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Airtime Designs Jedei 170, Wing Loading 1,6:1
Reserve: PISA Tempo 210
AAD: Advanced Aerospace Design Vigil
Helm: Lederkappe
RSL: ja
Todesursache: Kappenkollision mit anschließendem Notverfahren in niedriger Höhe
Unfallhergang: Nach einem ereignislosen Freifall mit einer 11er Formation separierten die Springer in ca. 1500m (5000ft). Der Springer öffnete seinen Hauptschirm in ca. 600m (2000ft). Sofort nach der Öffnung begann der Schirm in eine Richtung zu drehen und der Springer kollidierte mit einem anderen Springer aus seiner Gruppe. Dieser war bei der Öffnung eingedreht und dadurch nicht in der Lage seinen Schirm zu steuern. Der erste Springer verwickelte sich mit dem Schirm und den Leinen des zweiten Springers. Beide Schirme waren zum Teil kollabiert und der zweite Springer begann um den ersten, verwickelten Springer zu rotieren. Nach 10 oder 15 Umdrehungen trennte der zweite Springer ab und sein SkyHook RSL aktivierte seine Reserve in ca. 150m (500ft).
Nach ein paar Sekunden lösten sich die Hauptschirme vom ersten Springer, der daraufhin in ca. 60m (200ft) abtrennte. Seine RSL aktivierte die Reserve zwar sofort, diese konnte sich aber aufgrund der niedrigen Höhe nicht mehr voll entfalten und der Springer schlug hart am Boden auf.
Es wurden sofort Erste Hilfe Maßnahmen eingeleitet und der Springer wurde in ein Krankenhaus geflogen, er erlag aber auf dem Weg dorthin seinen Verletzungen. Der zweite Springer erlitt Verletzungen am Kopf, Nacken und Brustkorb, wurde im Krankenhaus behandelt und ein paar Stunden Später wieder entlassen.
Schlussfolgerung:
Wie bei vielen tödlichen Unfällen ging auch diesem eine Reihe von unglücklichen Verkettungen voraus. Nimmt man nur eines dieser Kettenglieder heraus wäre der Unfall anders ausgegangen. Wären die Springer bei der Öffnung weiter auseinander gewesen, so hätten sich die Schirme möglicherweise nicht getroffen obwohl beide Springer eine Öffnungsstörung hatten. Möglicherweise separierten die Springer in eine ähnliche Richtung oder sie wurden durch andere Springer daran gehindert in die richtige Richtung zu tracken (normalerweise 180° vom Zentrum der Formation). Durch eine flache Tracking Position kann eine größere Distanz bei geringerem Höhenverlust erreicht werden.
Das Skydiver's Information Manual Kapitel 6-1 schlägt als Separationshöhe mindestens 600m (2000ft) über der höchsten Schirmöffnungshöhe vor. Diese Gruppe separierte ca. 900m über der, in den Basic Safety Requirements angegebenen Mindestöffnungshöhe für C- und D-Lizenzler (600m/2000ft). Das sollte für eine ausreichende Separation von elf erfahrenen Springer reichen. Beide Springer hatten einen elliptischen Schirm, der eine mit einem Wing Load von 1,5:1, der zweite von 1,6:1. Schirme mit hohem Wing Load können große Distanzen in kurzer Zeit zurück legen und benötigen daher noch mehr Platz zwischen den Springern während der Öffnungsphase. Springer mit langsam öffnenden und schnell fliegenden Schirmen sollten noch höher öffnen.
Die Ermittlungsbeamten fanden den Schirm des ersten Springers mit einer offenen Vorbremsung, was die Drehung bei der Öffnung verursacht haben könnte. Der zweite Springer hatte eingedrehte Leinen, was den Schirm unsteuerbar machte. Genaues Packen kann verdrehte Leinen oder offene Vorbremsungen verhindern.
Kappenkollisionen und die daraus resultierenden Verwicklungen können für den Springer sehr verwirrend sein und durch die schnelle Rotation wird schnell Höhe abgebaut.
Da jede Kappenkollision anders ist kann man sich nur schwer darauf vorbereiten. Trotzdem ist es wichtig schnell und richtig zu reagieren um das Notfallverfahren in ausreichender Höhe durchzuführen.
Springer die mit Schirmmaterial und Leinen umwickelt sind können leicht die Orientierung verlieren, was es ihnen schwer macht sich aus der Verwicklung zu befreien und die Reserve zu öffnen. Im Falle einer Kollision sollen die betroffenen Springer miteinander kommunizieren, Höhenbewusstsein bewaren und schnell reagieren.
Alter/Geschlecht: 39/männlich
Zeit im Sport: 13 Jahre
Gesamtsprunganzahl/in den letzten 12 Monaten: 2250/170
Gurtzeug: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Performance Designs Velocity 111, Wing Loading 1,8:1
Reserve: Performance Designs PD 126R
AAD: Airtec Cypres 2
Helm: Vollvisier
RSL: nicht bekannt
Todesursache: Harte Landung mit einem kollabierten Hauptschirm
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall bei einem Großformationssprung und anschließender Schirmfahrt flog dieser Springer direkt hinter und über einem anderen Springer ca. 12m (40ft) über Grund. Der Schirm kollabierte teilweise und der Springer schlug hart am Boden auf. Er erlitt schwere innere Verletzungen und mehrere gebrochene Knochen. Erste Hilfe Maßnahmen wurden sofort eingeleitet und er wurde in ein nahe gelegenes Krankenhaus geflogen wo er einige Stunden später starb.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer nahm an einem Großformationssprung mit ungefähr 60 anderen Springern teil. Bei großen Formationen müssen sich Springer oft den Luftraum mit vielen anderen teilen. Der Schirm dieses Springers kollabierte wahrscheinlich aufgrund der Turbulenzen die der vor ihm fliegende Schirm verursachte.
Springer müssen sich über die Gefahren die durch Turbulenzen entstehen können im klaren sein. Jeder Schirm erzeugt Turbulenzen die zum Kollabieren eines dahinter fliegenden Schirms führen können. Diese Turbulenzen treten hinter und über dem Schirm auf. Außerdem treten Turbulenzen auf der dem Wind abgewandten Seite von Gebäuden, Wäldern und anderen Hindernissen auf.
Skydiver's Information Manual Kapitel 4 erklärt den Effekt von Turbulenzen in der Category C des Integrated Student Programs und das Springer je nach Windstärke in einem Bereich von 10 bis 20x der Höhe des Hindernisses mit Turbulenzen rechnen müssen. Dieser Springer hätte die Turbulenzen hinter dem Schirm meiden können wenn er seitlich versetzt geflogen wäre.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 27/männlich
Sprunganzahl: 300-400
Jahre im Sport: 2
System: Velocity Sports Infinity
Hauptschirm: Precision Aerodynamics Fusion 135
Reserver: Precision r-Max 128
AAD: nein
RSL: nein
Todesursache: Mehrfache schwere Verletzungen durch den Aufschlag
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen 3-way Freefly-Sprung und einer normalen Schirmfahrt leitete der Springer in ca. 15 m (50 ft) eine steile Linksdrehung ein. Sein Körper befand sich immer noch in der Horizontalen und sein Schirm war einer steilen, schnell sinkenden Drehung als er auf dem Boden aufschlug. Er erlitt schwere innere Verletzungen am Kopf und mehrere gebrochene Knochen, unter anderem sein Becken und beide Beine. Als die ersten Helfer bei ihm eintrafen war der Springer bewusstlos, atmete aber selbstständig. Ein Springer, der im medizinischen Bereich arbeitet leistete erste Hilfe bis der Notarzt eintraf. Als der Verletzte in den Krankenwagen verlegt wurde kam er zu Bewusstsein und klagte über Kurzatmigkeit und Schmerzen. Er verstarb einige Stunden später im Krankenhaus an seinen Verletzungen.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer war fast jedes Wochenende am Sprungplatz und hatte erst kürzlich begonnen mit high-performance Landungen zu experimentieren. Einige Springer hatten ihn vor seinem aggressiven Flugverhalten in niedrigen Höhen gewarnt. Bei diesem Sprung zeigte eine Videoaufnahme, die durch einen Zuschauer gemacht wurde, dass der Springer einen Front-Riser-Turn in etwa 15 m Höhe begann und etwa bei der Hälfte einer offenbar geplanten 180° Drehung auf den Boden aufschlug. Der Bericht sagte aus, dass der Springer etwa 200 Sprünge mit diesem Hauptschirm gemacht hatte.
Laut Bericht erhielt der Springer nie ein strukturiertes Schirmfahrt-Coaching durch einen Profi und ignorierte alle Warnungen.
Ein Wing-Loading von 1,4:1 bei dieser Hauptkappe wird vom Hersteller für Fortgeschrittene oder Experten empfohlen. Obwohl der Hersteller nicht genau angibt, wer fortgeschritten und wer Profi ist, wird ein Springer mit 300-400 Sprüngen von angesehenen Experten jedoch nicht in diese Kategorien gereiht.
Der toxikologische Bericht zeigt, dass dieser Springer nur Stunden vor seinem Tod Kokain konsumiert hatte. Außerdem wurde er auch auf Marihuana positiv getestet, das dies jedoch auch längere Zeit nachweisbar ist konnte nicht festgestellt werden ob es in dem Unfall eine Rolle spielte.
Trotz der wiederholten Warnungen seiner Kollegen führte der Springer weiterhin ohne Training high-performance Landungen durch. Eine rasche Verringerung der Kappengröße, fehlendes Training und Urteilsvermögen sowie der Konsum von Drogen die seine Reaktionsfähigkeit und seine Tiefenwahrnehmung beeinflussten trugen zu diesem Unfall bei. Jeder dieser Faktoren alleine hatte in der Vergangenheit zu schweren Unfällen geführt. Alle zusammen steigerten die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Ausgangs dramatisch.
Jede Drehung muss in ausreichender Höhe abgeschlossen werden um die Schirm die Möglichkeit zu geben wieder geradeaus zu fliegen.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 37 Jahre, weiblich
Gesamtsprunganzahl: 3500+
Zeit im Sport: 7 Jahre
Gurtzeug: Aerodyne Icon
Hauptschirm: Icarus VX-79
Reserveschirm: Aerodyne Smart 110
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Todesursache: Harte Landung unter einer schnelldrehenden Reserve
Unfallhergang:
Diese Springerin verließ das Flugzeug vom Typ Kind Air in 1950m (6400ft) über Grund und öffnete kurz darauf ihren Hauptschirm. Vermutlich hatte sie eine Fehlöffnung, trennte den Hauptschirm ab und öffnete die Reserve. Zeugen berichteten dass ihre Reserve eine schnelldrehende Störung hatte und obwohl die Springerin versuchte die Drehung unter Kontrolle zu bringen schlug sie mit einer hohen Sinkgeschwindigkeit hart am Boden auf. Es wurde sofort erste Hilfe geleistet. Die Springerin verstarb einige Stunden später im Krankenhaus an ihren inneren Verletzungen.
Schlussfolgerung:
Die Springerin war Teilnehmerin an einem Swoop Wettberwerb auf einem Sprungplatz in 128m (5052ft) über dem Meer. Der Unfallbericht zeigt, dass niemand ihre Hauptschirmöffnung, Cutaway und Reserveöffnung beobachtete. Die Daten aus ihrem akustischen Höhenmesser zeigen an, dass die Öffnungshöhe 1460m (4800ft) über Grund betrug. Allerdings konnte nicht festgestellt werden ob es sich hierbei um die Öffnungshöhe des Hauptschirmes oder der Reserve handelte.
Am Unfallort gab die Springerin an, sie hätte Luftmaschen in ihren Fangleinen gehabt und zwei Zeugen berichteten ebenfalls von Luftmaschen in den Fangleinen des Reserveschirms. Das Rettungspersonal zerschnitt während der Bergung die Fangleinen und das Gurtzeug um erste Hilfe leisten zu können. Außerdem wurde der Schirm oft hin und her bewegt und es wurde darauf herum gestiegen. Der dabei entstandene Schaden machte es den Sachverständigern unmöglich die genaue Ursache der Luftmaschen heraus zu finden.
Viele Faktoren können zur Bildung von Luftmaschen beitragen - von der Körperhaltung während der Öffnung bis zur Art wie die Fangleinen beim Packen verstaut wurden. Obwohl diese Art von Fehlöffnung öfters beim Hauptschirm vorkommt kann sie aber auch bei der Reserve auftreten. Schirmöffnungen auf höher gelegenen Sprungplätzen können sich von denen auf niedriger gelegenen Sprungplätzen unterscheiden und könnten die Öffnung des Haupt- und/oder Reserveschirms beeinflusst haben. Die Luft in größeren Höhen ist dünner und kann die Öffnungsgeschwindigkeit steigern und damit zu härteren Öffnungen führen.
Die Springerin landetet bei einigen vorangegangenen Sprüngen an diesem Tag im Swoop Pond. Obwohl die Unfallskommission die Reserve als "feucht" beschrieben konnten sie keine Beweise dafür finden, dass die Feuchtigkeit des Schirms mit der Fehlöffnung zusammen hing.
Hersteller müssen nasse Schirme nicht testen um eine Zulassung zu bekommen und zur Zeit liegen auch keine Untersuchungsergebnisse darüber vor ob ein nasser Schirm eher eine Fehlöffnung hat.
Je höher das Wing Loading ist, desto aggressiver werden die Fehlöffnungen. Diese Springerin hatte ein Wingloading von 2,1:1 auf ihrer Hauptkappe und 1,6:1 auf ihrer Reserve.
Jeder sollte seine Schirmgröße mit Sorgfalt auswählen und - vor allem - bei seiner Reserve darauf achten, dass sie ihn auch in schwierigen Situationen sicher zur Erde bringt.
Alter/Geschlecht: 27 Jahre, männlich
Gesamtsprunganzahl: 796
Zeit im Sport: 4 Jahre
Gurtzeug: Mirage Systems G4
Hauptschirm: Performance Designs Velocity 96
Reserveschirm: Performance Designs PD-126T
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Todesursache: Kopfverletzung nach einer harten Landung mit dem Hauptschirm
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und einer normalen Schirmfahrt begann der Springer eine 450° Drehung in einer unbekannten Höhe. Er schlug hart auf dem Boden auf während er sich noch in der schnell sinkenden Phase der Drehung befand und erlitt Kopfverletzungen und einen gebrochenen Oberschenkelhalsknochen. Er wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht und verstarb einige Wochen nach dem Unfall an Komplikationen bei seiner Kopfverletzung.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer hatte erst kurz vor dem Unfall seine Schirmgröße auf 96 sqft crossbraced verringert. Er war erste vier Jahre im Sport und hatte unter 800 Sprünge, was darauf schließen lässt, dass er seine Schirmgrößen in kurzen Abständen verringert hatte. Der Sprung war sein erster an diesem Wochenende und ihm war eine Sprungpause von 3-4 Wochen vorausgegangen. Sein vorheriger Schirm war eine 120 sqft elliptische Kappe, im Unfallbericht wurde nicht angegeben wie viele Sprünge er mit diesem Schirm gemacht hatte. Obwohl er mit einem Canopy Coach gearbeitet hatte zeigt ein Aufstieg zu einem wing loading von 2,2:1 unter einem crossbraced Schirm in nur 796 Sprüngen von einer aggressiven Steigerung.
Im Unfallbericht wird festgehalten, dass der Springer die Angewohnheit hatte die letzte Kurve sehr niedrig anzusetzen. Er hatte zwar sein Set-Up verbessert und an dem Problem gearbeitet, hätte aber durch die Probleme die er mit einem größeren, langsameren Schirm hatte nicht einen kleineren, schnelleren Springen sollen.
Crossbraced Schirme zeigen viel aggressivere Flugeigenschaften als elliptische. Sie sinken schneller und verlieren dadurch stark an Höhe.
Springer müssen besonders vorsichtig sein, wenn sie die Kappengröße oder das Design wechseln und sollten sich zuerst mit den Flugeigenschaften der neuen Kappe vertraut machen bevor sie high-performance Anflüge durchführen. Neue Manöver sollen immer über 300 Meter geübt werden bevor sie in Bodennähe ausgeführt werden.
Skydiver's Information Manual Sevtion 6-10 und 6-11 beinhalten wichtige Informationen über Canopy Training und das Springen mit kleinere Kappengrößen. Ein Springer sollte nur dann eine kleinere Kappengröße springen wenn er perfekte Kontrolle und Genauigkeit in unterschiedlichen Windverhältnissen mit der größeren demonstriert hat.
Alle Drehungen müssen in ausreichender Höhe abgeschlossen sein.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 45 Jahre/männlich
Gesamtsprunganzahl: 3000
Zeit im Sport: nicht bekannt
Gurtzeug: Fliteline Systems Reflex
Hauptschirm: Aerodyne Research Pilot 150
Reserveschirm: Precision Aerodynamics 181-M
AAD: nein
RSL: nein
Todesursache: Aufschlag ohne den Haupt- oder Reserveschirm geöffnet zu haben
Unfallhergang:
Dieser Springer nahm an einem 2er Wingsuit Sprung aus ca. 4000m (13000ft) über dem Meer währende einem Beach Boogie teil. Er öffnete weder seinen Haupt- noch seinen Reserveschirm, schlug auf dem Wasser auf und starb dabei.
Schlussfolgerung:
Der Springer hatte ungefähr 100 Wingsuit Sprünge. Dies war jedoch erst der zweite Sprung mit einem neuen Modell und er hatte sich darüber beschwert, dass es nicht richtig passte. Er erzählte, dass die Wingsuit das Gurtzeug in eine Position brachte in der er es nicht gewohnt war. Es wurde berichtet, dass der Springer Probleme mit der Stabilität während dem Exit und Freifall hatte.
Schäden an der rechten Seite des Gurtzeuges lassen darauf hinweisen, dass die rechte Seite etwas niedriger war. Möglicherweise verlor er sein Höhenbewusstsein während er damit beschäftigt war den Hauptschirmgriff zu finden oder sein Abschätzungsvermögen wurde durch die Wasseroberfläche beeinflusst. Der Reservegriff wurde durch den Aufschlag aus seiner ursprünglichen Position gebracht.
Eine genaue Begutachtung der Ausrüstung zeigte sie voll funktionstüchtig. Der Springer trug einen Hand-Höhenmesser jedoch keinen akustischen Höhenwarner und er verwendete keinen Öffnungsautomaten.
Section 6-9 des Skydiver's Information Manual empfiehlt für erfahrene Wingsuit-Springer eine Mindestöffnungshöhe von 900m (3000ft) und für Beginner 1500m (5000ft). In SIM Section 5-1 wird beschrieben, dass wenn ein Springer Schwierigkeiten hat seinen Hauptschirmgriff zu finden er nicht öfter als zwei mal versucht den Hauptschirm zu öffnen und dann sein Notverfahren einleitet.
Wingsuits können weitere Komplikationen mit sich bringen, in diesem Fall könnte die falsche Passform dazu beigetragen haben, dass der Springer seine Griffe nicht auffinden konnte. Auch ein Öffnungsautomat hätte den Ausgang dieses Sprunges verändern können.
Alter/Geschlecht: 52 Jahre/männlich
Gesamtsprunganzahl: 1500
Zeit im Sport: nicht bekannt
Gurtzeug: Mirage Systems Mirage
Hauptschirm: Performance Designs Stiletto 170
Reserveschirm: Performance Designs PD 176R
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Todesursache: Aufschlag nach spätem Abtrennen und Reserveöffnung
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen 4er Sprung hatte der Springer eine schnelldrehende Störung an seinem Hauptschirm. Er trennte den Hauptschirm ab und zog die Reserve in niedriger Höhe. Diese konnte sich nicht rechtzeitig entfalten und so starb der Springer beim Aufschlag.
Schlussfolgerung:
Zeugen sahen den Springer unter seiner drehenden Hauptkappe in 580m (1900ft). Er befand sich noch immer unter dieser schnelldrehenden Störung als er aus dem Blickfeld hinter einer Baumreihe verschwand. Die Zeugen sahen nicht, in welcher Höhe er den Schirm abtrennte. Die Hauptkappe wurde 250-300m 8800-1000ft) neben dem Körper gefunden, Bodenwind war um die 6 m/s (15mph). Das lässt darauf schließen, dass er den Hauptschirm in ca. 60-100m (200-300ft) über dem Grund abtrennte.
Er sprang einen elliptischen Hauptschirm mit einem Wing Loading von 1,5:1. Schwer beladene elliptische Schirme können sehr schnell drehende Störungen mit großem Höhenverlust haben. Eine schnelle Drehung kann zu Orientierungslosigkeit führen was wiederum die Reaktionszeit verlangsamt und die Koordination beeinflusst. Der Springer befindet sich in einer Situation in der ihm nicht viel Zeit bleibt zu reagieren. Zusätzlich zu all dem trug der Springer einen Vollvisierhelm der es ihm möglicherweise erschwerte sein Trennkissen und seinen Reservegriff zu lokalisieren.
Sein Gurtzeug war nicht mit einer RSL ausgerüstet. Eine Reserve Static Line sichert eine sofortige Reserveöffnung nach dem Abtrennen des Hauptschirmes. Skydivers Information Manual Section 5-3 empfiehlt, dass alle Springer eine RSL benutzen, bestimmte Situationen ausgenommen.
Alter/Geschlecht: 49 Jahre/männlich
Gesamtsprunganzahl: 2
Zeit im Sport: 2 Wochen
Gurtzeug: Relative Workshop Sigma Tandem
Hauptschirm: JoJo Wing HOP 330
Reserveschirm: Performance Designs VR-360
AAD: Advanced Aerospace Designs Vigil
RSL: ja
Todesursache: Aufschlag nachdem er aus dem Passagiergurtzeug gefallen war
Unfallhergang:
Das Tandempaar sprang in 4100m (13500ft) aus dem Flugzeug und der Tandemmaster öffnete in 3000m (10000ft) den Hauptschirm. Als dieser sich zu öffnen begann rutschte der Passagier aus dem Gurtzeug. Er fiel in einen kleinen Wald und starb beim Aufschlag. Der Körper wurde am nächsten Tag gefunden.
Schlussfolgerung:
Dieser Sprung wurde von einer Heckrampe einer Shorts Brothers Skyvan durchgeführt. Der Passagier war querschnittsgelähmt und konnte nur mit Hilfe zur Türe gebracht werden. Dabei könnte das Gurtzeug verstellt oder gelockert worden sein. Bald nach dem Exit bemerkte der Tandemmaster dass der Passagier sehr weit unter ihm hing und öffnete den Hauptschirm. Der Passagier rutschte rückwärts aus dem Gurtzeug durch den Zwischenraum zwischen den Beingurten und dem horizontalen Rückengurt.
Wer mit körperbehinderten Passagieren springt sollte spezielle Vorkehrungen treffen. Das Passagiergurtzeug muss bereits vor dem Einsteigen in das Flugzeug perfekt angepasst werden und während dem Steigflug, Exit, Freifall, der Öffnung und der Schirmfahrt richtig sitzen. Bei querschnittsgelähmten Passagieren muss ein besonderes Augenmerk auf die Beine gelegt werden da der Passagier sie nicht kontrollieren kann.
Egal in welcher körperlichen Verfassung ein Passagier ist, das Gurtzeug muss immer laut Herstellerangaben angelegt werden.
Alter/Geschlecht: 44 Jahre/weiblich
Gesamtsprunganzahl: 1
Zeit im Sport: 1 Tag
Gurtzeug: Strong Dual Hawk
Hauptschirm: Strong SET-400
Reserveschirm: Strong Master 425
AAD: Airtec Cypres
RSL: ja
Todesursache: Aufschlag nachdem sie aus dem Passagiergurtzeug gefallen war
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall öffnete der Tandemmaster in 1600m (5500ft) den Hauptschirm. Dabei rutschte der Passagier aus dem Gurtzeug und starb beim Aufschlag.
Schlussfolgerung:
Während der Schirmöffnung schwangen die Beine des Passagiers nach vorne und nach oben und brachten sie in eine spitze Position. Sie rutschte durch den Zwischenraum zwischen dem horizontalen Rückengurt und den diagonalen Rückengurten und fiel aus dem Gurtzeug.
Kurz nach dem Unfall veröffentlichte der Hersteller ein Service Bulletin in dem er alle Tandemmaster dazu aufforderte das Passagiergurtzeug ordnungsgemäß anzulegen. Jeder Hersteller veröffentlicht eine genaue Bedienungsanleitung für das Passagiergurtzeug um eine korrekte Passform zu garantieren.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
Aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 40/männlich
Sprunganzahl: 4000+
Zeit im Sport: 20 Jahre+
System: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Performance Designs Stiletto 135
Reserveschirm: Precission Aerodynamics Raven Dash-M 150
AAD: Airtec Cypres
RSL: nicht bekannt
Todesursache: Harte Landung unter teilweise entfaltetem Haupt- und Reserveschirm
Unfallhergang:
Dieser Springer nahm an einem 8-way Sprung teil der bis zur Separation in 1370m (4500ft) ohne besondere Vorkommnisse verlief. Zeugen in der Luft und am Boden beobachteten den Springer unter einem teilweise entfaltetem Hauptschirm in unbekannter niedriger Höhe. Aufgefunden wurde der Springer mit beiden Schirmen teilweise geöffnet, keiner jedoch um ihn ausreichend abzubremsen. Erste Hilfe Maßnahmen wurden sofort durchgeführt, der Springer wurde noch am Unfallort für tot erklärt.
Schlussfolgerung:
Ein Zeuge befand sich in 700m (2300ft) über Grund als er den Springer weit unter ihm mit teilweise entfaltetem Hauptschirm beobachtete. Seine Schirmöffnungshöhe ist nicht bekannt und niemand beobachtete seine Reserveöffnung. Die Bremsen waren bei beiden Schirmen noch gesetzt. Der Öffnungsautomat hatte den Reserveloop durchgeschnitten und dadurch die Reserveöffnung eingeleitet.
Die Daten die das AAD anzeigte zeigten eine Sinkgeschwindigkeit von 37,9 m/s während der Springer durch die Auslösehöhe von 225m fiel. Das sind fast 3 m/s schneller als die Auslösegeschwindigkeit des AAD's. Das AAD zeichnete keine weitere Abbremsung bis 76m (250ft) ab. Danach war die Fallgeschwindigkeit 20 m/sek. Der Reserveschirm begann sich möglicherweise erst ab dieser Höhe zu entfalten oder der Hauptschirm öffnete sich weiter, was zu einer Abbremsung in 76m führte.
Section 5-1 des Skydiver's Information Manual empfiehlt das Schüler und A-Lizenzler ihre Notfallverfahren nicht niedriger als 760m (2500ft) und B- bis D-Lizenzler nicht niedriger als 550, (1800ft) einleiten. Dieser Springer hat möglicherweise auf die volle Entfaltung seines langsam öffnenden Hauptschirms gewartet.
Dennoch ist es nicht klar weshalb er das Höhenbewusstsein verlor oder sein Notfallverfahren nicht einleitete.
Alle Springer müssen Höhenbewusstsein im Freifall, während der Schirmöffnung und der Schirmfahrt bewahren. Wenn ein Springer beschließt, dass sein Hauptschirm nicht landbar ist, so hat er sofort das Notfallverfahren einzuleiten.
Alter/Geschlecht: 44/männlich
Sprunganzahl: 150
Zeit im Sport: 3,5 Jahre+
System: Rigging Innovations Talon
Hauptschirm: Aerodyne Research Pilot 168
Reserveschirm: Performance Designs RD 253R
AAD: Airtec Cypres
RSL: ja
Todesursache: Harte Landung unter schnell drehendem Hauptschirm
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und Schirmfahrt begann der Hauptschirm dieses Springers in einer Höhe von 60m (200ft) schnell zu drehen. Die Drehung wurde bis zum Aufschlag nicht gestoppt und der Springer verstarb sofort.
Schlussfolgerung:
Die Untersuchung der Ausrüstung zeigte, dass die linke Vorbremsung geöffnet war und sich die Slideröse unter der Steuerschlaufe befand. Die rechte Steuerleine war vorgebremst und die Slideröse befand sich über der Steuerschlaufe. Der Springer hatte den Slider kollabiert. Eventuell hatte er versucht den Slider über dir Riser und Steuerschlaufen nach unten zu ziehen und dabei eine unabsichtlich eine Vorbremsung gelöst.
Manchmal kann es passieren, dass der Slider in der Öffnung eine Steuerschlaufe löst. In diesem Fall zeigen aber alle Anzeichen darauf hin, dass das Problem erst nach der Öffnung auftrat da der Springer den Slider bereits kollabiert hatte. Es ist nicht bekannt in welcher Höhe sich die Steuerschlaufe löste. Vielleicht passierte es bereits kurz nach der Öffnung, der Springer konnte mit der anderen Steuerschlaufe bzw. dem Riser gegenlenken und löste den Griff erst kurz von der Landung.
Oder das Problem trat erst später auf als er beschloss den Riser zu kollabieren und über die Steuerschlaufen hinunter zu ziehen.
Außerdem ist nicht klar ob der Springer wusste, dass eine Vorbremsung geschlossen war und er sie nicht öffnen konnte oder ob er nicht wusste was die Ursache der Drehung war.
Mehrere Unfälle mit tödlichem Ausgang sind auf Situationen in denen die Sliderösen die Steuerschlaufen lösen zurückzuführen. In jedem Fall begann der Schirm in einer niedrigen Höhe schnell zu drehen und es blieb keine Zeit die Notverfahren einzuleiten. Die Springer hatten nur ein paar Sekunden vor dem Aufschlag um das Problem zu finden. Springer die ihre Slider unter den Steuerschlaufen verstauen sollten das in einer ausreichenden Höhe tun um gegebenenfalls abzutrennen und die Reserve zu ziehen. Jene, die ihren Slider über den Steuerschlaufen lassen sollten alles Mögliche tun um ihn von einem unplanmäßigen Herabrutschen zu bewahren.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 73/männlich
Sprunganzahl: 6500+
Zeit im Sport: 43
System: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Para-Flite Stratostar 220
Reserveschirm: Para-Flite Cyrus 200
AAD: Nein
RSL: Nein
Todesursache: Aufschlag ohne Aktivierung des Haupt- oder Reserveschirmes
Unfallhergang:
Am Ende eines ereignislosen 2-way Sprunges bekam dieser Springer von seinem Partner ein Höhenmesser-Check Zeichen in 1370 Meter (4500 Ft). Daraufhin legte der Springer seine Hand auf den Hauptschirmgriff und zog nicht daran. Er starb sofort beim Aufschlag ohne den Haupt- oder Reserveschirm geöffnet zu haben.
Schlussfolgerung:
Ermittlungsbeamte fanden den Abtrenngriff ungefähr 300 Meter (1000 Ft) vom Körper des Springers. Der Hauptschirm- und der Reservegriff befanden sich beide noch an ihrem Platz. Der Haupt- und der Reservecontainer wurden durch die Wucht des Aufschlages geöffnet. Der Springer hatte möglicherweise einen Hardpull an seinem Hauptschirm oder war vielleicht verwirrt aber aus welchem Grund auch immer öffnete er weder seinen Haupt- noch seinen Reserveschirm. Er hatte keine Art von Höhenmesser.
Der Springer war erst kurz vor dem Unfall wieder aktiv geworden nachdem er einige Jahre zuvor einen Schlaganfall erlitten hatte. Der Bericht zeigte nicht auf ob die DZ von seinem medizinischen Zustand wusste oder ob er ein USPA medical statement ausgefüllt hatte. Mindestens ein anderer Sprungplatz hatte ihn zuvor weg geschickt da er die Notfallprozedur nicht durchführen konnte. Jene die bewusst in einem medizinisch kritischem Zustand springen bringen sich nicht nur selbst sondern auch andere in Gefahr. Alle Springer sollen die Notfallverfahren regelmäßig wiederholen, besonders nach langen Sprungpausen. Wenn ein Springer Probleme beim Öffnen des Hauptschirmes hat muss er sofort die Reserve öffnen. Ein Öffnungsautomat hätte den Unfallausgang verändern können.
Alter/Geschlecht: 20/weiblich
Sprunganzahl: 1
Zeit im Sport: 1 Tag
System: Strong Enterprises Dual Hawk
Hauptschirm: Jojowing HOP 330
Reserveschirm: Strong Master 425
AAD: Airtec Cypres
RSL: Ja
Todesursache: Kopfverletzung nach harter Landung unter schnell drehendem Tandemhauptschirm
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und einer normalen Schirmfahrt machte dieses Tandempaar einen standard Landeanflug zur Landezone des Sprungplatzes. In ca. 6 Metern (20 ft.) klappte die rechte Seite des Hauptschirms ein und begann schnell zu drehen. Das Tandempaar schlug mit den Unterkörpern auf der Grasfläche der Landezone und mit den Oberkörpern auf dem Asphalt der Startbahn auf. Der Tandemmaster und der Passagier waren sofort bewusstlos, der Tandemmaster erwachte aber kurz nach dem Aufschlag wieder. Der Tandemmaster trug einen offenen Helm aus Fiberglas, der Passagier eine Ledermütze. Beide wurden in ein Krankenhaus geflogen. Der Tandemmaster erlitt eine Gehirnerschütterung und mehrere gebrochene Knochen, darunter auch sein Oberschenkelknochen und sein Becken wird sich aber wieder erholen. Der Passagier starb an den Kopfverletzungen fast fünf Monate nach dem Unfall.
Schlussfolgerung:
Der Wind wurde zum Zeitpunkt des Sprunges mit ca. 5.6 m/s (11 kts) mit Spitzen bis zu 11,3 m/s (22 kts) angegeben. Bodenpersonal hatte versucht mit dem Piloten der Maschine in Kontakt zu treten und ihn und den Tandemmaster über die starken Böen zu informieren aber das Tandempaar hatte zu diesem Zeitpunkt das Flugzeug bereits verlassen. Ein anderes Tandempaar landete außerhalb des Sprungplatzes ohne Schwierigkeiten. Nahe Bäume könnten zu dem böigen Wind extra Turbulenzen erzeugt und den Schirm zum kollabieren gebracht haben. Der Hauptschirm war in gutem Zustand und die Leinen waren innerhalb der vom Hersteller vorgegeben Angaben. Wind kann sich von geringen Geschwindigkeiten schnell zu starken Böen ändern die über das hinaus gehen was ein Flächenschirm standhalten kann. Alle Springer sollten Vorsicht walten lassen wenn der Wind stark und unbeständig wird.
Alter/Geschlecht: 58/männlich
Sprunganzahl: 358
Zeit im Sport: 8
System: Relative Workshop Vector 2
Hauptschirm: Performance Designs Sabre 190
Reserveschirm: Nicht bekannt
AAD: Nein
RSL: Nein
Todesursache: Aufschlag ohne Aktivierung des Haupt- oder Reserveschirmes
Unfallhergang:
Dieser Springer filmte einen 4-way Gruppensprung und versuchte seinen Hauptschirm zu öffnen als die Gruppe separierte. Die Separationshöhe ist nicht bekannt. Er sog den Hilfsschirm, der an seinem Beingurt befestigt war durch den Zwischenraum zwischen seinem Körper und dem Flügel der Kamerakombi was zu einer Verwicklung und einer Hufeisen-Störung führte. Zeugen sahen, dass er sich auf seinen Rücken drehte und dann wieder mit dem Bauch nach unten weiterfiel. Während dieser Zeit nahm er seine Hilfsschirmverbindungsleine und schnitt sie mit seinem Notfallmesser durch. Irgendwann zog er seinen Abtrenngriff. Der Hauptschirm öffnete sich nie und der Springer schlug auf ohne die Reserve aktiviert zu haben.
Schlussfolgerung:
Wie bei den meisten tödlichen Unfällen im Fallschirmsport gab es auch hier eine unglückliche Verkettung verschiedener Ereignisse. Verändere irgendeinen Teil in dieser Kette und das Resultat könnte ein anderes sein. Dieser Springer verwendete ein Gurtzeug bei dem der Hilfsschirm an seinem Beingurt verstaut war. Manche Kamerakombis, wie auch diese, haben ein "Loch" nahe der Hüfte der groß genug ist um durch zu greifen und den Hilfsschirm zu ziehen. In diesem Fall führte das zu einer Hufeisen-Störung und der Hilfsschirm war mit dem Flügel der Kamerakombi verwickelt. Der Container öffnete sich und der POD befand sich immer noch darinnen. Im Skydiver's Information Manual Section 6-8 wird empfohlen bei Sprüngen mit einer Kamerakombi auch ein Öffnungssystem zu verwenden das mit der Kombi zusammen passt. Ein Bottom-of-Container (BOC)- Öffnungssystem ist bei einer solchen Kombi sicherer da der Springer weniger leicht durch den Zwischenraum greifen kann während er den Hilfsschirm zieht.
Als der Springer bemerkte dass sein Hilfsschirm verknotet war verbrauchte er wertvolle Höhe um seine Hilfsschirmverbindungsleine durchzuschneiden. Er schnitt sie kurz über dem POD ab was den Hilffschirm befreite, dem POD aber jede Möglichkeit nahm sich von seinem Rücken zu lösen. Irgendwann zog er seinen Abtrenngriff aber vermutlich hatte er keine Zeit mehr seinen Reservegriff zu finden und zu ziehen. Ein automatisches Öffnungsgerät hätte den Ausgang dieses Unfalls möglicherweise verändert.
Zusätzliche Ausrüstung wie eine Kamera und eine Kamerakombi können zu Komplikationen führen. Jeder Springer muss eine ausführliche Einweisung und Vorbereitung sowie angemessene Erfahrung haben bevor er eine extra Ausrüstung verwendet. SIM Section 6-8 bietet Informationen und Leitfäden für Videomänner. Genaue Vorbereitung und Übung der Notfallverfahren sind wichtig für alle Springer und noch mehr für die bei denen der Gebrauch von zusätzlicher Ausrüstung eine Änderung der Notfallverfahren darstellt.
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 51/männlich
Sprunganzahl: 1920
Jahre im Sport: nicht bekannt
System: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Performance Designs Vengeance 120
Reserveschirm: Performance Designs PD-126R
AAD: Airtec Cypres
RSL: Nein
Todesursache: Aufschlag nach niedriger Kappentrennung und Aktivierung der Reserve
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen 16er RW-Sprung öffnete dieser Springer seinen Hauptschirm in ca. 2200 ft (670 Meter). Der Schirm öffnete mit einer Leinenverdrehung und begann schnell zu rotieren. Der Springer trennte den Hauptschirm in ca. 900 ft (274 Meter) ab und öffnete die Reserve. Als der Springer aufschlug war die Reserve noch nicht vollständig aufgeblasen. Der Springer verstarb am Unfallsort.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer hatte einen elliptischen Schirm mit einem Wing Loading von 2:1. Mit so hohem Wing Loading kann schon eine einfache Leinenverdrehung zu einer stark drehenden Störung führen. Ein schnell drehender Schirm wird schnell an Höhe verlieren. Nicht selten verliert man pro Rotation einige hundert Fuss Höhe. Außerdem kann es in dieser Situation schwierig sein das Abtrennkissen und den Reservegriff zu finden.
USPA's Skydivers Information Manual Section 5-1 schlägt vor, dass USPA C- und D-Lizenzhalter (also erfahrene Springer) eine Entscheidungshöhe von mind. 1800 ft (550 Meter) einhalten. Eine Öffnungshöhe in 2200 ft lässt wenig Zeit um Abzutrennen bevor man durch die Entscheidungshöhe fällt. Laut der Daten aus seinem Cypres trennte der Springer den Hauptschirm in 900 ft ab. Ein erneuter Zusammenbau und Tests des Dreiringsystems zeigten keinerlei Probleme mit dem Trennsystem (Hardpull) auf. Vielleicht verlor er sein Höhenbewusstsein als er versuchte die Leinenverdrehung zu lösen oder er fand sein Abtrennkissen nicht, auf jeden Fall war er viel zu lange unter seinem Hauptschirm.
In 900 ft. ist kaum genug Zeit für die Reserve um sich mit Luft zu füllen, auch wenn sie sofort mit einer RSL oder händisch geöffnet wird. Laut Zeugenaussagen versuchte der Springer nach dem Abtrennen stabil zu werden und verlor so wertvolle Höhe. Daten aus dem Cypres zeigen auf, dass es in 240 ft. (73 Meter) die Reserve aktivierte. Der Reservegriff wurde weniger als einen Meter vom Körper des Springers gefunden was anzeigt, dass er ihn zwar selbst gezogen hat, das aber in einer sehr niedrigen Höhe und nachdem das Cypres den Loop bereits durchtrennt hatte.
Jeder Springer sollte einen festgelegten Plan für Notsituationen haben und diesen oft am Boden im Trainingsgurtzeug üben. Springer die einen Schirm mit mittelmäßigem oder hohem Wing Loading springen sollten zusätzliche Höhe für die Öffnung einplanen.
Das Notfallverfahren muss in ausreichender Höhe durchgeführt und abgeschlossen um der Reserve genügend Zeit zu geben sich vollständig zu entfalten und dem Springer eine sichere Landung in freiem Gebiet zu ermöglichen. Ein AAD ist ein Sicherheitsnetz um die Reserve zu öffnen falls ein Problem im Freifall aufgetreten ist, nicht nachdem der Hauptschirm abgetrennt wurde. Oft ist nicht genügend Zeit und Höhe für das AAD um die Reserve nach dem Abtrennen zu öffnen.
Alter/Geschlecht: 47/männlich
Sprunganzahl: 76
Jahre im Sport: 8 Monate
System: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Performance Designs Spectre 170
Reserveschirm: Precision Aerodynamics Raven 1
AAD: Airtec Cypres
RSL: Nein
Todesursache: Aufschlag nach niedriger Kappentrennung und Aktivierung der Reserve
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen 2-way Sprung öffnete dieser Springer in ca. 1900 ft (580 Meter) seine Hauptkappe. Zeugen sahen ihn immer wieder nach oben blicken obwohl der Schirm so aussah also ob er rechteckig und stabil mit einer angemessenen Sinkgeschwindigkeit flog. In ca. 950 ft (290 Meter) trennte der Springer seinen Hauptschirm ab und überschlug sich. Seine Ausrüstung war nicht mit einer Reserve Static Line ausgestattet. Das Cypres aktivierte seinen Reserveschirm in etwa 450 ft (138 Meter) und nach kurzem Zögern kam der Schirm aus dem Freebag und füllte sich mit Luft. Der Springer schlug auf bevor sich die Reserve voll entfalten konnte und verstarb sofort.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer öffnete seinen Schirm 500 ft. (150 Meter) unter der für USPA B-Lizenz Inhaber vorgeschriebenen Mindestöffnungshöhe von 2500 ft. (760 Meter) (SIM Section 2-1). Eine Hauptschirmöffnung in ausreichender Höhe hätte diesem Springer ausreichend Zeit gegeben um mit auftretenden Schwierigkeiten besser umzugehen. Im Bericht wurde festgehalten dass auch nach gründlicher Untersuchung keine Fehler am Hauptschirm gefunden werden konnten. Aus welchem Grund auch immer entschied sich dieser Springer seinen Schirm abzutrennen und tat dies 850 ft (260 Meter) unter der empfohlenen (SIM Section 5-1) Mindesthöhe für Notfallverfahren von 1800 ft (550 Meter).
Daten aus seinem Cypres zeigten, dass der Springer nach dem Abtrennen unstabil wurde. Das Reservekissen (weiches Stoffkissen) war nur teilweise herausgezogen. Der Springer trug keine Kombi und sein T-Shirt war im Bereich des Abtrennkissens zerrissen. Sein Shirt könnte möglicherweise den Griff verdeckt haben und er konnten ihn dadurch nicht gleich finden. Obwohl das Cypres seine Reserver in 450 ft (138 Meter) aktivierte könnte das Überschlagen die kurze Verzögerung in niedriger Höhe hervorgerufen haben.
Dieser tödliche Unfall ist ein Resultat einer Serie von Problemen. Wenn nur ein Teil unterbrochen oder geändert wird hätte er anders ausgehen können. Ein Öffnen und durchführen der Notfallverfahren in ausreichender Höhe hätten mehr Zeit gebracht. Sein Shirt hat vielleicht seine Griffe verdeckt und SIM Section 4 Cat A empfiehlt dem Springer zuerst zum Griff zu schauen und ihn dann zu fassen. Eine RSL kann die Reserve unmittelbar nach dem Abtrennen öffnen. SIM Section 5-3 empfiehlt allen Springern eine RSL mit einigen Ausnahmen
Ein AAD ist ein Sicherheitsnetz um die Reserve zu öffnen falls ein Problem im Freifall aufgetreten ist, nicht nachdem der Hauptschirm abgetrennt wurde. Oft ist nicht genügend Zeit und Höhe für das AAD um die Reserve nach dem Abtrennen zu öffnen.
Ein Arch (Becken vor) nach dem Abtrennen kann helfen nicht unstabil zu werden.
Aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 51 Jahre/männlich
Sprunganzahl: 4300
Jahre im Sport: 30+ Jahre
Gurtzeug: Mirage Systems G4
Hauptschirm: Precision Aerodynamics Xaos-27 91
Reserveschirm: Performance Designs PD 126R
AAD: nein
RSL: nein
Todesursache: Harte Landung nach einer niedrigen Drehung
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und einer ereignislosen Schirmfahrt machte der Springer eine schnelle Drehung in niedriger Höhe. Er schlug noch während der Drehung am Boden auf und wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wo er zwei Tage später verstarb.
Schlussfolgerung:
Der Springer benutze eine ausgeborgte Ausrüstung mit einem crossbraced Hauptschirm mit einem Wing Loading von 2,3:1. Über seine Erfahrung ist nichts bekannt, nur dass sein eigener Hauptschirm auch ein crossbraced Schirm von einem anderen Hersteller und drei Squarefeet größer war. Es wurde über keine Hindernisse oder andere Faktoren berichtet, die den Springer abgelenkt hätten.
Springer die Schirme mit hohem Wing Loading fliegen müssen das mit stark gesteigerter Vorsicht tun. Vorwärtsfahrt sowie Sinken erfordern Konzentration von der Öffnung bis zur Landung. Canopy Training mit einem professionellen Coach wird für alle Springer, egal mit welchem Erfahrungsstand empfohlen. Speziell aber für jene, die gerne High Performance Landungen durchführen möchten.
Letztendlich müssen alle Drehungen rechtzeitig beendet werden um dem Schirm genügend Zeit zu lassen um wieder gerade zu fliegen.
Alter/Geschlecht: 34/weiblich
Sprunganzahl: 51
Jahre im Sport: 1,5 Jahre
Gurtzeug: Relative Workshop Vector 1
Hauptschirm: Winchester Technologies Cobra 170
Reserveschirm: Performance Designs PD 176R
AAD: Airtec Cypres
RSL: ja
Todesursache: Kein Auslösen des Haupt- oder Reserveschirms
Unfallhergang:
Diese Springerin machte einen Sprung mit einem Partner. Der Sprung verlief bis zur Separation ereignislos. Sie wurde bis zum Aufschlag im Freifall gesehen und öffnete nie einen ihrer Schirme.
Schlussfolgerung:
Die Springerin begann ihre Separation ungefähr in 1300 Metern und begann von ihrem Partner weg zu tracken. Ein Zeuge sah sie in niedriger Höhe mit ausgestreckten Beinen und leicht unstabil bis sie kurz vor dem Aufschlag aus seinem Blickfeld verschwand. Ein anderer Zeuge, der sich unter einem offenen Hauptschirm befand berichtete dass sie so aussah, also würde sie "versuchen etwas zu tun" als sie an ihm vorbei fiel. Aber es war nicht klar, was sie versuchte zu tun.
Sie wurde kurz nach dem Aufschlag in einem Feld gefunden. Ihr Hilfsschirm konnte leicht aus der Tasche gezogen werde und der der Federhilfsschirm und das Freebag der Reserve waren außerhalb des Containers. Es schaut so aus, als hätte sie die Reserve kurz vor dem Aufschlag gezogen, da ein Zeuge berichtete einen "gelben Blitz" gesehen zu haben. Der Reservehilfsschirm war gelb und der Reservegriff war nicht an seinem Platz, ca. 10 cm des Kabels befanden sich noch im Kabelkanal.
Das AAD war angeschalten aber der Reserveloop wurde nicht durchgeschnitten. Auch der Cutter hatte nicht aktiviert. Es wurde zum Hersteller geschickt und dort untersucht und ausgewertet. Die Daten ergaben, dass es auf Meeresniveau eingeschalten wurde, die DZ befindet sich aber auf 430 Meter. Diese Springerin lebte nahe am Meer und hatte das Cypres offensichtlich dort eingeschalten. In dieser Zusammenstellung hatte das Cypres ausgerechnet, dass der Boden noch 300 Meter entfernt war.
Das Benutzerhandbuch schreibt vor, dass das Gerät erst auf der Landezone eingeschalten werden soll um sich richtig zu adjustieren. Befindet sich der Landeplatz um 10 Meter oder mehr höher als der Platz an dem es eingeschalten wurde, so muss es wieder aus und dann wieder eingeschalten werden.
Wenn also das AAD von dem Startplatz wegtransportiert und dann wieder zurückgebracht wurde dann muss es noch einmal aus und wieder eingeschalten werden um sich wieder auf 0 zu stellen. Jeder Springer muss sich mit der Bedienung und den Beschränkungen seiner Ausrüstung auskennen.
Höhenbewusstsein ist ein kritischer Punk bei jedem Sprung und jeder Springer muss seinen Haupt- oder Reserveschirm in einer Höhe aktivieren die dem Schirm genügend Zeit lässt sich voll zu entfalten und eine sichere Schirmfahrt gewährleistet. Ein automatisches Öffnungsgerät ist nur ein Sicherheitsnetz und kann aus verschiedenen Gründen nicht richtig funktionieren.
Alter/Geschlecht: 24/männlich
Sprunganzahl: 171
Jahre im Sport: 3 Jahre
Gurtzeug: Rigging Innovations Talon
Hauptschirm: PISA Hornet 170
Reserveschirm: PISA Tempo 150
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Todesursache: Aufschlag nach niedrigem Abdrennen und Reserveziehen.
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall öffnete der Springer seinen Hauptschirm in ca. 500 Metern. Er hatte einen Fangleinenüberwurf und wartete bis ca. 150 Meter bis er abtrennte und die Reserve zog. Der Reserveschirm kam in ca. 80 bis 100 Metern aus dem Container. Er schlug auf noch bevor der Reserveschirm aus dem Freebag heraus kommen konnte.
Schlussfolgerung:
Wie die meisten Fallschirmspringerunfälle führte auch bei diesem erst eine Reihe von unglücklichen Ereignissen zu einem tödlichen Ausgang. Schon wenn nur ein Teil dieser Serie anders verlaufen wäre hätte der Springer überleben können. Erstens: Höhenbewusstsein beibehalten und ein Öffnen des Hauptschirms in ausreichender Höhe hätten dem Springer mehr Zeit gegeben sich mit der Fehlöffnung auseinandersetzen zu können.
Zweitens hätte ein ordentlich gepackter Fallschirm ihm selbst bei der niedrigen Öffnungshöhe wahrscheinlich keine Probleme bereitet. Wobei natürlich hier die bessere Lösung ist, in ausreichender Höhe zu ziehen.
Drittens hätte der Springer gleich abgetrennt, so hätte er der Reserve noch mehr Zeit gegeben sich voll entfalten zu können.
Letztlich hatte der Springer eine Reserve Static Line die aber, laut Bericht nicht eingehängt war. Wäre die RSL eingehängt gewesen, so hätte sie die Reserve gleich geöffnet und vielleicht wäre sich noch eine vollständige Öffnung des Schirmes ausgegangen.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 28/männlich
Sprunganzahl: 300+
Zeit im Sport: nicht bekannt
System: Mirage Systems Mirage
Hauptkappe: Performance Designs Vengeance 120
Reserve: nicht bekannt
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Todesursache: Harter Aufschlag nach niedriger Drehung
Beschreibung:
Nach ereignislosem Freifall und Schirmfahrt leitete der Springer in ca. 100 Meter über Grund eine scharfe Kurve ein. Er schlug noch während der Drehung am Boden auf. Der Springer wurde sofort Erstversorgt und ins Krankenhaus geflogen erlag am darauffolgenden Tag aber seinen schweren Kopfverletzungen.
Schlussfolgerung:
Der Springer machte seinen fünften Sprung mit diesem Schirm und hatte ein Wingloading von 1,98:1. Sein Gewicht war 9,5 kg mehr als das vom Hersteller festgelegte Maximalgewicht und 20 kg mehr als das für erfahrene Springer empfohlene Gesamtgewicht für diesen Schirm. Der Springer hatte mit 300+ Sprüngen auf keinen Fall die Erfahrung um mit einem solchen Modell und diesem Wingloading zu springen.
Springer müssen mit größeren Schirme ihre Fähigkeiten erwerben bevor sie auf kleine, schnelle Kappen umsteigen oder schnelle Manöver durchführen. Springer, die den Wunsch haben schnelle Swoops durchzuführen sollten professionelle Hilfe und Coaching in Anspruch nehmen.
Alle Drehungen müssen in ausreichender Höhe fertiggestellt werden.
Alter/Geschlecht: 48/männlich
Sprunganzahl: 99
Zeit im Sport: 19 Monate
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: Performance Designs Spectre 210
Reserve: Para-Flite Swift 225
AAD: Airtec Cypres
RSL: ja
Todesursache: Harter Aufschlag unter drehendem Schirm
Beschreibung:
Nach einem ereignislosen Freifall wurde der Springer beobachtet wie in ca. 100 Meter über Grund sein Schirm zu rotieren begann. Er befand sich bis zum Aufschlag in dieser schnellen Drehung. Nach einer kurzen Suche wurde der Springer gefunden und Erste Hilfe Maßnahmen durchgeführt bis er von einem Arzt am Unfallort für Tod erklärt wurde.
Schlussfolgerung:
Zeuge sahen dass der Springer bei der Öffnung in ca. 1000 Meter eingedrehte Fangleinen und diese Verdrehung erst in ca. 500 Meter gelöst hatte. Von da an flog er in Richtung Landezone. Für die Zeugen sah es so aus, als ob der Schirm normal fliegen würde bevor er begann sich zu drehen.
Die Inspektion der Ausrüstung ergab, dass die Vorbremsung noch immer fixiert war. Die Rechte war gelöst. Die linke hintere Slider-Öse befand sich über der Steuerschlaufe und blockierte diese möglicherweise. Die rechte Slider-Öse befand sich unter dem Connector-Link aber über der Steuerschlaufe. Der Slider war kollabiert.
Verschiedene Szenarien könnten diesen Unfall erklären, es ist jedoch schwer nachzuvollziehen was passiert ist ohne die Angewohnheiten des Springers nach der Öffnung zu kennen.
Die rechte Bremse könnte jederzeit geöffnet worden sein: bei der Öffnung, als er versuchte die Verdrehung der Leinen zu lösen oder als er den Slider verstaute. Oder er hat sie aber selbst gelöst.
Die linke Slider-Öse könnte die linke Steuerschlaufe bei der Schirmöffnung blockiert haben, wärhend der Springer den Slider kollabierte oder während er versuchte den Slider über die Steuerschlaufen nach unten zu ziehen um ihn zu verstauen. Oder er hatte versucht die Steuerschlaufen zu lösen, erkannte das Problem und versuchte es so lange zu lösen bis er unter seiner Entscheidungshöhe war.
Die meisten Springer verstauen den Slider gleich nach der Öffnung, müssen aber die Höhe im Auge behalten falls ein Problem auftritt um nicht unter ihre Entscheidungshöhe für die Notfallverfahren zu gelangen. Den Slider über die Steuerleinen zu ziehen verlangt erhöhte Aufmerksamkeit und kann mehr Probleme hervorrufen.
Jedenfalls lässt ein Steuerungs-Problem unter einer sicheren Notfallverfahren-Höhe wenig Möglichkeiten. Die einzige Option kann sein die Drehung zu stoppen in dem man die Steuerleine der freien Seite herunter zieht und sich auf eine harte Landung mit Landefall vorbereitet.
Jeder Springer sollte seine Entscheidungshöhe so wählen, dass noch genügend Zeit bleibt den Hauptschirm abzutrennen, die Reserve zu ziehen und sicher zu landen. Ein guter Richtwert liegt bei 600 Meter.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 34/männlich
Sprunganzahl: 1334
Zeit im Sport: 3 Jahre
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: Performance Designs Velocity 79
Reserve: Performance Designs PD 106R
AAD: nicht bekannt
RSL: nicht bekannt
Todesursache: Harter Aufschlag nach niedriger Drehung
Beschreibung:
Nach einem ereignislosen Exit in ca. 1300m und einer problemlosen Schirmfahrt während einem Nachtsprung machte der Springer eine 180° Drehung in niedriger Höhe und kam hart auf dem Boden auf während sich der Schirm noch in einer Drehung befand. Er wurde sofort medizinisch versogt starb aber an den schweren Kopfverletzungen.
Schlussfolgerung:
Der Sprung wurde mit einem high-performance cross-braced Schirm mit einem Wing Loading von can. 2,1:1 durchgeführt. Mit 1334 Sprüngen wählte der Springer einen aggressiven Schirm, besonders für einen Nachtsprung. Seine Erfahrungen mit diesem Schirm sind nicht bekannt.
Der Sprung wurde spät in der Nacht während einer Party durchgeführt. Der medizinische Bericht zeigt dass der Springer sowohl betrunken als auch unter Einfluss von Kokain war. Der Springer hatte fast 3 Promille Blutalkohol.
Nach dem Unfall schloss die USPA den Piloten des Flugzeugs und einen anderen Springer als Mitglieder aus. Alle anderen Springer in der Load wurden weniger hart bestraft. Alle hätten über den Zustand des verunglückten Springers bescheid wissen sollen.
Offensichtlich beeinflussen Drogen und Alkohol das Bewusstsein sowie Unteilungsvermögen und Geschicklichkeit negativ und haben keinen Platz beim Fallschirmspringen, besonders während einem Nachtsprung unter einem high-performance Schirm.
Der Springer trug keinen Helm, welcher vielleicht die Schwere der Verletzungen gemindert hätte. Es wurde aber berichtet dass er so hart aufschlug, dass es vermutlich keinen Unterschied gemacht hätte.
Letztendlich müssen alle Drehungen in ausreichender Höhe beendet werden um dem Schirm die Möglichkeit zu geben wieder gerade und auf Level zu fliegen.
Alter/Geschlecht: nicht bekannt/männlich
Sprunganzahl: 35
Zeit im Sport: 3 Monate
System: Sunrise Rigging Wings
Hauptkappe: Aerodyne Research Triathlon 175
Reserve: Aerodynamics Super Raven 150-M
AAD: Airtec Cypres
RSL: ja
Todesursache: zerrissene Hauptschlagader
Beschreibung:
Zwei Springer machten einen Relativ-Sprung aus 4100 Meter. Als ein Springer seinen Hauptschirm öffnete kollidierte er mit dem anderen. Dieser wurde gesichtet als er davon taumelte. Danach wurde er unter einem offenen Reserve-Schirm gesehen. Er hing regungslos im Gurtzeug und machte keine Anstallten den Schirm zu steuern. Er landete mit Wind unter seiner Reserve und wurde noch am Landeort für tot erklärt. Der Springer unter der Hauptkappe berichtete dass er seinen Schirm öffnetet, die Kollision spürte, nach unten schaute und das Bewusstsein verlor. Er kam erst wieder nach seiner Landung zu Bewusstsein.
Schlussfolgerung:
Laut Bericht hatte der verunglückte Springer 35 Sprünge und der andere 25. Es sieht so aus, als hätte der Springer der nach der Kollision im Freifall war seine Reserve händisch öffnete da der Griff gezogen worden war und das AAD nicht geschossen hatte.
Als sein Körper gefunden wurde war das Reserve-Bridle und der Pilot Chute um seine Beine gewickelt was anzeigt, dass er bei der Öffnung nicht stabil war. Außerdem wurden Reserve-Fangleinen um seinen Hals festgestellt, bei der Autopsie konnten aber keine gebrochenen Knochen in diesem Bereich festgestellt werden. Der Gerichtsmediziner stellte eine zerrissene Hauptschlagader fest. Es ist unklar wann die Beschädigung passierte, ob bei der Kollision, der Öffnung oder der Landung.
Die Kollision hat ihn vermutlich unstabil gemacht und er konnte die Stabilität nicht wieder erlangen. Es ist unklar wie hoch die Reserve aktiviert wurde, es muss aber über 225m gewesen sein (Cypres Aktivierungshöhe).
Keiner der Springer besaß eine USPA A-Lizenz, was als Mindestvoraussetzung für Gruppensprünge ohne USPA Coach oder Instructor gilt. Keiner der beiden war USPA Mitglied und der Sprung wurde auf einem Sprungplatz durchgeführt der kein USPA Group-Member war.
Der Unfallbericht sagt aus, dass in dem Sprungbuch des verunglückten Springers drei Automaten-Sprünge sowie zwei Tandems während seiner Ausbildung absolvierte. Es wurden aber keine Informationen über weiterbildendes Training oder ein Sprungauftrag des besagten Sprungs gefunden.
Im USPA Integrated Student Program lernen Schüler von einem USPA Coach oder Instructor wie man einen Sprung plant und sich darauf vorbereitet. Das inkludiert auch die Wahl der richtigen Separationshöhe und tracking. Um eine A-Lizenz zu erlangen muss jeder Schüler einen Prüfungssprung absolvieren in dem er sein Können zeigt.
Nach einem Gruppen-Sprung müssen alle Springer genügend Separation erreichen um sicher den Schirm zu öffnen. Ein ausreichendes Abwinken vor dem Ziehen und ständige Kontrolle des Luftraums werden empfohlen.
Alter/Geschlecht: 29/männlich
Sprunganzahl: nicht bekannt
Zeit im Sport: nicht bekannt
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: Performance Designs Vengeance 107
Reserve: Pisa Tempo 120
AAD: nein
RSL: nein
Todesursache: Aufschlag nach zu niedriger Aktivierung der Reserve
Beschreibung:
Dieser Springer machte einen 2er-Sitfly und zog seine Reserve in niedriger Höhe so dass sie sich nicht mehr voll entfalten konnte. Der Springer war sofort tot.
Schlussfolgerung:
Beide Springer hatten kein Höhenbewusstsein. Der erste Springer zog seinen Hauptschirm gerade als sein AAD seine Reserve aktivierte. Als der erste Springer seinen Schirm aktivierte wurde der andere dabei beobachtet wie er auf seinem Rücken weg trackte, sich umdrehte und die Reserve zog bevor er aufschlug.
Ermittler fanden sowohl den Abtrenn- als auch den Reservegriff in der Nähe der Leiche. Anscheinend war der Reserveschirm aus dem Freebag, hatte aber noch nicht begonnen sich zu entfalten. Der medizinische Report zeigte, dass der Springer 1,6 Promille Blutalkohol hatte. Der Gerichtsmediziner stellte auch Marijuana im Blut fest, machte allerdings keine Angaben darüber wann es konsumiert wurde.
Offensichtlich beeinflussen Drogen und Alkohol das Bewusstsein sowie Unteilungsvermögen und Geschicklichkeit negativ und haben keinen Platz beim Fallschirmspringen.
Der verunglückte Springer hatte einen visuellen Höhenmesser aber keinen akustischen oder mit einem AAD. Das USPA SIM empfiehlt einen visuellen und mindestens einen akustischen Höhenmesser sowie ein AAD bei Freefly-Sprüngen. Die Benutzung eines AAD hätte den Ausgang dieses Unfalles sicher positiv beeinflusst.
Ohne Rücksicht auf die Ausrüstung muss jeder Springer immer seine Höhe wissen und seinen Hauptschirm in ausreichender Höhe selbst aktivieren.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist Oktober 2004
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 41/männlich
Gesamtzahl d. Sprünge: 850
Zeit im Sport: 6 Jahre
System: Mirage Systems Mirage
Hauptkappe: Precision Aerodynamics Xaos-27 78
Reserve: Performance Designs PD113R
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Todesursache: Harte Landung unter schnell drehendem Hauptschirm
Beschreibung:
Nach einem unauffälligen Freifall und einer normalen Schirmöffnung wurde der Springer bei einem geraden Endanflug beobachtet bei dem er beide Front-Riser nach unten zog, wahrscheinlich um mehr Geschwindigkeit aufzubauen. Ungefähr in 25 bis 30 Meter kollabierte die linke Seite des Schirmes was zu einer 540° Drehung führte bevor der Springer und der Schirm den Boden zur gleichen Zeit berührten. Durch den harten Aufprall starb der Springer sofort.
Alter/Geschlecht: 46/männlich
Gesamtzahl d. Sprünge: 1116
Zeit im Sport: 14 Jahre
System: Rigging Innovations Voodoo
Hauptkappe: Performance Designs Velocity 90
Reserve: Performance Designs PD113R
AAD: nein
RSL: nein
Todesursache: Harte Landung unter schnell drehendem Hauptschirm
Beschreibung:
Nach einem unauffälligen Freifall und einer normalen Schirmöffnung wurde der Springer dabei beobachtet, wie er eine Drehung zur Einleitung des Endanflugs durchführte in dem er seine linke Steuerleine zog. Er führte dieses Manöver über einem Parkplatz nahe der Landezone durch. Die Leinen des Schirms verdrehten sich und der Schirm kollabierte teilweise was zu einem unkontrollierten Drehen für die letzten Sekunden vor dem Aufschlag führte. Erste Hilfe wurde sofort durchgeführt, trotzdem verstarb der Springer an seinen Verletzungen.
Schlussfolgerung:
Der Springer hatte verschiedene Cross-Braced Schirme in verschiedenen Größen von verschiedenen Herstellern ausprobiert. Der Bericht gab keinen Aufschluss darüber wie viel Training und Erfahrung der Springer mit high-performance Schirmen hatte. Obwohl er über 1100 Sprünge hatte, hatte er diese in einem Zeitraum von über 14 Jahren gemacht und nur 64 in den letzten zwölf Monaten.
Die steile Steuerleinen-Drehung könnte die Ursache für die Verdrehung der Leinen gewesen sein, oder aber Turbulenzen. Verschiedene Springer berichteten von Turbulenzen im Landegebiet. Einige Springer hörten eine raschelndes Geräusch bei dem sie aufblickten und den Schirm bereits drehend sahen.
USPA bekommt jedes Jahr einige Unfallberichte bei denen von Leinen-Verdrehungen durch Toggle-Turns berichtet wird. Die meisten Zwischenfälle finden jedoch in einer Höhe statt, in der sich der Springer noch ausdrehen kann. Einige jedoch fanden in zu niedriger Höhe statt und nahmen einen tödlichen Ausgang.
Jeder Springer sollte über die Grenzen seiner Ausrüstung bescheid wissen. Sogar bei großen Schirmen mit niedrigem Wing Loading wurden schon verdrehte Leinen nach einer harten Steuerleinen-Drehung gesehen.
Ohne Training sollten keine Sprünge mit high-performance Schirmen gemacht werden.
Alter/Geschlecht: 68/männlich
Gesamtzahl d. Sprünge: 15000
Zeit im Sport: 40+ Jahre
System: Para-Flite Swift
Hauptkappe: Performance Designs Sabre 170
Reserve: Para-Flite Cirrus
AAD: nein
RSL: nein
Todesursache: Mehrere innere Verletzungen nach einer harten Öffnung und Landung
Beschreibung:
Nach einem ereignislosen Freifall wurde der Springer regungslos unter seinem funktionstüchtigen Hauptschirm gesichtet. Der Schirm hatte einige Leinen-Verdrehungen und drehte nach links bis zum Boden. Erste Hilfe wurde sofort durchgeführt, der Springer hatte jedoch keinen Puls und zeigte keine Reaktion auf die erste Hilfe.
Schlussfolgerung:
Die Autopsie zeigte mehrere innere Verletzungen. Der Springer hatte auch eine gerissene Aorta, was eine bekannte Verletzung bei harten Öffnungen ist.
Der Hauptschirm hatte auch typische Beschädigungen für eine harte Öffnung.
Wie festgestellt wurde wurden manche der Ausrüstungsteile selbst hergestellt und waren aus einem anderen Material als die original Teile. Zwar wurden diese Teile als qualitativ hochwertig und in gutem Zustand beschrieben, trotzdem können original Ersatzteile und die Einhaltung der Packanleitung harte Öffnungen verhindern.
UNFALLBERICHT
Tödlicher Unfall Lienz/Osttirol am 19.09.2004
Alter: 40
Geschlecht: männlich
Anzahl der Sprünge: ca. 100
Erster Sprung: April 2004
Todesursache: Aufschlag im Freifall
Ausrüstung: Vector II, Raven 2, Nitro 150, Cypres, kein RSL
Im Rahmen eines Fallschirmspringertreffens PINK-Boogie in Osttirol erfolgte der letzte Start um 15.52 UTC mit dem Absetzflugzeug PINK Skyvan OE-FDE. An Bord waren neun Personen, geplant ein Absprung aus 5800 m über Grund von sieben Springern. Als Co-Pilot agierte ein Sprunglehrer zur Beobachtung. Pilot: Phillip Artweger, Typenerfahrung ca.2000 Stunden. In 3000 m über Grund wurde die Sauerstoffanlage eingeschaltet.Die Absetzhöhe wurde um 16.05 UTC über Grund erreicht. Sechs Springer verliessen das Flugzeug, der Verunfallte war planmässig der letzte Springer. Stellte sich mit der Sauerstoffversorgung, noch im Mund, an die Rampe, entfernte die Sauerstoffversorgung und führte einen normalen stabilen dive-exit durch.
Vom Boden aus wurde der Springer von mehreren sachkundigen Personen beobachtet, die Entfernung betrug ca.3 km, soweit es beurteilt werden kann, war der Springer stabil und es wurde keine Schirmöffnung beobachtet. Nach dem offensichtlichen Aufschlag des Springers am Boden, wurde der Rettungshubschrauber C7 alarmiert. Vom Absetzflugzeug im Sinkflug wurde der Springer lokalisiert. Der Notarzt des Rettungshubschraubers konnte nur mehr den Tod feststellen. Der Springer schlug offensichtlich in stabiler, etwas kopfsteil, Lage auf.
Beim Aufschlag riss der Loop der Reserve, das Freebag wurde abgezogen und der Reserveschirm lag noch in gefaltetem Zustand ca. drei Meter neben dem Springer. Das Cypres hatte nicht gefeuert, ca.15 Minuten nach dem Unfall wurde festgestellt, dass das Cypres ausgeschaltet ist. Es war dies der fünfte Sprung dieses Springers am Tag, die ersten vier erfolgten auch als Einzelabsprünge aus 4000 m.
Eine flüchtige Untersuchung der Ausrüstung am Springer ergab, dass am Hauptschirm offensichtlich kein Packfehler vorliegt, das Handdeploy nicht gezogen wurde. Die Position des Reservegriffes wurde nicht untersucht.
Der gerissene Loop des Reserveschirms lässt jedoch zwingend den Schluss zu, dass sich der Reservepin zum Zeitpunkt des Aufschlages im Loop befunden haben muss.
Die Ausrüstung wurde geborgen und der Gendarmerie zur Weiterleitung an die Fluguntersuchungsstelle übergeben.
Eine Liste mit tödlichen Unfällen gibt's unter http://www.skydivingfatalities.info
jede hier veröffentlichte information dient zur weiterbildung und aufklärung.
Alter/Geschlecht: 26, männlich
Gesamtzahl d. Sprünge: 275
Zeit im Sport: nicht bekannt
System: nicht bekannt
Hauptkappe: PD Sabre2 150
Reserve: nicht bekannt
AAD: Airtec Cypres
RSL: nicht bekannt
Todesursache: Harte Landung nach niedriger Drehung
Beschreibung:
Dieser Springer machte einen Wingsuit Sprung mit einer Gruppe anderer Springer. Die Öffnung des Hauptschirmes erfolgte weit vom Sprungplatz entfernt sodass ein Ausweich-Landeplatz gesucht wurde. Der Springer und zwei seiner Gruppe wählten ein Feld in der Nähe von hohen Bäumen. Der Wind in Baumwipfelhöhe war zwischen 16 und 24 km/h während er unterhalb gleich null war. Der Springer machte eine steile Kurve in niedriger Höhe und schlug noch in der Drehung auf. Er starb an Verletzungen die durch die harte Landung hervorgerufen wurden. Die anderen zwei Springer landeten ohne Probleme.
Schlussfolgerung:
Der Springer hatte ein Wingloading von 1,3:1 welches der Hersteller als eines für "Experts" einstuft. Der Hersteller definiert "Experts" als "die besten Springer der Welt".
In den letzten drei Jahren geschahen 13 gemeldete tödliche Unfälle in den USA durch zu niedrig angesetzte Drehungen die nicht der Geschwindigkeitsaufnahme dienten sondern als Fehleinschätzung und fehlendes Verständnis der Folgen einer niedrigen Drehung einzustufen sind. In elf von 13 Fällen waren Anfänger mit Wingloadings zwischen 1:1 und 1,4:1 und Außenlandungen involviert. In jedem Fall wurde entweder versucht einem Hindernis auszuweichen oder gegen den Wind zu landen.
Das Integrated Student Program der USPA in der Sec. 4 des Skydiver's Information Manual beinhaltet Informationen zum Wingloading und Übungen zur Schirmfahrt die sowohl Schülern als auch erfahrenen Springern helfen können ihren Schirm besser kennen zu lernen.
Springer die es als leicht empfinden ihren schnellen Schirm auf dem Sprungplatz zu landen können bei einer Außenlandung mit Problemen konfrontiert werden die nicht lösbar sind.
Letztendlich müssen alle Drehungen in ausreichender Höhe beendet sein um dem Schirm genügend Zeit zu geben auszuleveln.
Alter/Geschlecht: 26, männlich
Gesamtzahl d. Sprünge: 965
Zeit im Sport: nicht bekannt
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: PD Stiletto 107
Reserve: PISA Tempo 120
AAD: nein
RSL: nein
Todesursache: Harte Landung unter einer Hauptschirm-Reserve-Verwicklung
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall bei dem der Springer ein Tandem filmte zog er seinen Hilfsschirm um die Hauptschirmöffnung einzuleiten. Er hatte eine Hilfsschirm-im-Lee-Störung (Pilotchute-in-tow) auf die er mit der Öffnung der Reserve reagierte. Die Reserve öffnete normal. Während die Reserve öffnete löste sich auch der Hilfsschirm und der Hauptschirm öffnete gleichzeitig. Die Fangleinen verwickelten sich mit den Beinen des Springers bevor sich der Schirm aufblies. Der Springer trennte den Hauptschirm ab und befreite seine Beine. Der Hauptschirm verwickelte sich mit dem Reserveschirm und beide Schirme begannen sich im Down-plane um einander zu drehen und schnell zu sinken. Der Springer verstarb am Unfallort nach einer sehr harten Landung.
Schlussfolgerung:
Wie viele tödliche Unfälle bestand auch dieser aus einer Reihe von kleinen Fehlern. Der Springer hat eine von zwei möglichen Lösungen gewählt und die Reserve gezogen ohne vorher abzutrennen. In diesem Fall öffnete sich die Reserve normal und nachdem der Druck auf den Container nachließ löste sich auch der Hilfsschirm und der Hauptschirm öffnete sich. Unglücklicherweise hing der Pod unter ihm und die ausschlaufenden Leinen verwickelten sich mit seinen Beinen. Ein Abtrennen mag bis zu diesem Zeitpunkt unnötig gewesen sein, da der Hauptschirm nicht geöffnet war. Es wurde auch herausgefunden, dass das Drei-Ring-System durch mangelnde Wartung hart geworden war und möglicherweise mehr Kraft gebraucht hätte um sich zu lösen.
Als der Springer sich von den Leinen befreit hatte, war der Schirm schon aufgeblasen, der linke Haupttragegurt war ausgehängt und der Schirm begann hinter dem Springer zu rotieren. Während der Rotation löste sich der rechte Haupttragegurt und verwickelte sich mit dem Reserve-Tragegurt und dem Reservekabel, welches er immer noch in seiner Hand hielt und zog die zwei Reserve-Tragegurte zusammen.
Zu diesem Zeitpunkt öffnete der Springer die Vorbremsungen der Reserve und die zwei Schirme begannen eine starke Drehung nach rechts. Der Springer versuchte die restliche Zeit den Hauptschirm zu lösen.
Der Springer hat vielleicht den Hauptschirm zu früh abgetrennt aber es gibt keine klaren Regelungen wie man mit einer Verwicklung umgeht wenn die Reserve schon gezogen wurde. Es gibt auch einige Pros und Contras ob der Reservegriff weggeworfen werden soll während man mit einer Störung zu kämpfen hat. Nach dem Down-plane war es sicher die bessere Lösung zuerst wieder die Kontrolle über den Reserveschirm zu bekommen. Das hat er auch nach besten Kräften versucht bis er auf dem Boden aufschlug.
Dennoch hätten einige Entscheidungen schon vor dem Sprung besser überdacht werden sollen. Zum Beispiel wie man mit einer Pilotchute-in-Tow-Störung umgeht. Meistens - und so scheint es auch in diesem Fall - liegt das Problem bei einem nicht ganz entkollabierten Hilfsschirm. Jeder Springer der einen kollabierenden Hilfsschirm benutzt kann diesem Problem vorbeugen indem er genau und sorgfältig packt. Viele kollabierende Hilfsschirme haben ein kleines Kontrollfenster mit dem kontrolliert werden kann ob der Hilfsschirm richtig gesetzt wurde.
Eine häufigere und gewissenhaftere Wartung des Drei-Ring-System hätte das Abtrennen des Hauptschirmes erleichtert. Letztendlich hätten größere Schirme eine geringere Sinkgeschwindigkeit aufgewiesen was wiederum mehr Zeit unter der Störung und zur Lösung des Problems gebracht hätte.
Alter/Geschlecht: 47, weiblich
Gesamtzahl d. Sprünge: 1700
Zeit im Sport: 20 Jahre
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: PD Sabre 120
Reserve: PD 126-R
AAD: Airtec Cypres
RSL: ja
Todesursache: Harte Landung unter einer schnell drehenden Hauptkappe
Beschreibung:
Nach einem erfolgreichen Freifall mit einer größeren Gruppe wurde diese Springerin untere einer schnell drehenden Hauptkappe gesehen. Die Drehung wurde bis zum Boden nicht gestoppt. Sie wurde Nahe der Hauptlandezone aufgefunden und war bereits an mehreren inneren Verletzungen, hervorgerufen durch die harte Landung gestorben.
Schlussfolgerung:
Eine Untersuchung der Ausrüstung hat ergeben, dass die rechte Steuerleine mit dem connector Link aus Gewebe verknotet war. Connector Links werden vom Schirm-Hersteller als Teil der Schirmmontage bereitgestellt. Gewebe-Links werden oft als eine Alternative zu den herkömmlichen Metall-Links verwendet. Das Modell "SLink" wurde speziell für Spectra Leinen hergestellt.
Der Slider wurde verstaut, die Springerin hatte an den Steuerschlaufen gezogen um die Vorbremsung zu lösen. Der Schirm begann aufgrund der verknoteten Steuerleine schnell zu drehen. Es ist nicht klar, wieso die Springerin nicht abtrennte und die Reserve zog während sie sich in ausreichender Höhe befand. Vermutlich war sie so sehr mit der Lösung des Problems beschäftigt, dass sie das Höhenbewusstsein verlor. Auch ein 120sqf Schirm, obwohl mit einem relativ geringen Wingloading kann sehr schnell drehen und dabei an Höhe verlieren. Das kann zu einer zusätzlichen Orientierungslosigkeit während einer Störung führen.
In Fällen wie diesem, bei dem eine Drehung durch eine verknotete Steuerleine hervorgerufen wird kann die Drehung durch das Herabziehen der zweiten Steuerleine neutralisiert werden. Der Springer muss dann entscheiden ob es sicher ist, in dieser Anordnung zu landen, was vor allem mit einem kleinen Schirm nicht unbedingt die beste Lösung sein muss.
Springer sollen beim Packen darauf achten die Steuerleinen so zu verstauen, dass sie sich ohne Probleme lösen lassen.
Alter/Geschlecht: 30, männlich
Gesamtzahl d. Sprünge: 650
Zeit im Sport: nicht bekannt
System: Sunrise Rigging Wings
Hauptkappe: Icarus Canopies Crossfire 139
Reserve: nicht bekannt
AAD: Airtec Cypres
RSL: nicht bekannt
Todesursache: Harte Landung mit einem kollabierten Schirm nach einer Kappenkollision
Beschreibung:
Eine Gruppe von 20 Springern befand sich nach einem ereignislosen Freifall unter ihren Schirmen. Zwei der ersten Springer im Landeanflug kollidierten in etwa 15-30 Metern über Grund. Die Schirme verwickelten sich kurz und lösten sich danach wieder. Beide Springer landeten hart unter teilweise kollabierten Schirmen. Ein Springer verstarb kurz danach an schweren Kopfverletzungen, der andere überlebte schwer verletzt.
Schlussfolgerung:
Vor dem Unfall beobachteten Zeugen den Springer, der die Kollision überleben sollte bei einem geraden Endanflug. Sie berichteten, dass der andere Springer eine 90 bis 180° Kurve machte und mit dem oben genannten Springer kollidierte. Es wurde von keine anderen Problemen berichtet und die meisten Springer waren noch über ihnen.
Springer müssen den Luftraum um sich immer im Auge behalten und darauf achten sich und Andere nicht zu gefährden. Vor jeder Drehung muss überprüft werden ob sich andere Springer in der Nähe aufhalten und ob genügend Platz für die Drehung ist um Kollisionen zu vermeiden. Quer- und Endanflug über der Landezone sind die gefährlichsten Bereiche für eine Kappenkollision. Besonders dort müssen alle besonders vorsichtig sein und vorausdenkend fliegen.
Springer, die eine niedrige Kurve zur Geschwindigkeitsaufnahme bei High-Perfomance-Landungen machen müssen sich absolut sicher sein dass der Luftraum frei ist und sie genügend Platz haben. Diese besondere Verantwortung war in vielen Fällen selbst für erfahrene Springer zu viel und sie wurden schwer verletzt oder getötet nachdem sie einen Fehler gemacht hatten. Oft verletzen oder töten sie dabei auch unschuldige Springer. Das heißt allerdings nicht, dass Springer mit großen, langsamen Kappen nicht auch darauf achten müssen Andere nicht zu gefährden.
Alter/Geschlecht: 26, männlich
Gesamtzahl d. Sprünge: 275
Zeit im Sport: nicht bekannt
System: nicht bekannt
Hauptkappe: PD Sabre2 150
Reserve: nicht bekannt
AAD: Airtec Cypres
RSL: nicht bekannt
Todesursache: Harte Landung nach niedriger Drehung
Beschreibung:
Dieser Springer machte einen Wingsuit Sprung mit einer Gruppe anderer Springer. Die Öffnung des Hauptschirmes erfolgte weit vom Sprungplatz entfernt sodass ein Ausweich-Landeplatz gesucht wurde. Der Springer und zwei seiner Gruppe wählten ein Feld in der Nähe von hohen Bäumen. Der Wind in Baumwipfelhöhe war zwischen 16 und 24 km/h während er unterhalb gleich null war. Der Springer machte eine steile Kurve in niedriger Höhe und schlug noch in der Drehung auf. Er starb an Verletzungen die durch die harte Landung hervorgerufen wurden. Die anderen zwei Springer landeten ohne Probleme.
Schlussfolgerung:
Der Springer hatte ein Wingloading von 1,3:1 welches der Hersteller als eines für "Experts" einstuft. Der Hersteller definiert "Experts" als "die besten Springer der Welt".
In den letzten drei Jahren geschahen 13 gemeldete tödliche Unfälle in den USA durch zu niedrig angesetzte Drehungen die nicht der Geschwindigkeitsaufnahme dienten sondern als Fehleinschätzung und fehlendes Verständnis der Folgen einer niedrigen Drehung einzustufen sind. In elf von 13 Fällen waren Anfänger mit Wingloadings zwischen 1:1 und 1,4:1 und Außenlandungen involviert. In jedem Fall wurde entweder versucht einem Hindernis auszuweichen oder gegen den Wind zu landen.
Das Integrated Student Program der USPA in der Sec. 4 des Skydiver's Information Manual beinhaltet Informationen zum Wingloading und Übungen zur Schirmfahrt die sowohl Schülern als auch erfahrenen Springern helfen können ihren Schirm besser kennen zu lernen.
Springer die es als leicht empfinden ihren schnellen Schirm auf dem Sprungplatz zu landen können bei einer Außenlandung mit Problemen konfrontiert werden die nicht lösbar sind.
Letztendlich müssen alle Drehungen in ausreichender Höhe beendet sein um dem Schirm genügend Zeit zu geben auszuleveln.
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist
aus dem Englischen von Uschi Wagner
Alter, Geschlecht: 59 Jahre, männlich
Gesamtzahl Sprünge: 564
Jahre im Sport: nicht bekannt
System: Mirage Systems Mirage G3
Hauptkappe: Big Air Sportz Samurai 150
Reserve: Performance Designs PD 176R
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Todesursache: Aufschlag nach niedrigem Abtrennen
Unfallhergang:
Zeugen sahen den Springer unter einer schnelldrehenden Störung der Hauptkappe. In niedriger Höhe wurde der Schirm abgetrennt und die Reserve gezogen. Die Reserve begann sich zu öffnen, war jedoch noch nicht aus dem Freebag als der Springer aufschlug. Er starb an der Unfallstelle an seinen Verletzungen.
Schlußfolgerung:
Die Ursache der drehenden Störung des Hauptschirmes konnte nicht geklärt werden. Daten des akustischen Höhenwarners zeigten eine Öffnungshöhe von 2200ft (ca. 670m) an. Daten des automatischen Öffnungsgerätes zeigten eine Trennung von der Hauptkappe in 652ft (ca. 198m) und die Öffnung der Reserve durch das AAD zwischen 122 und 116ft (ca. 37 bis 35m). Der Reservegriff wurde an seinem Platz, der Abtrenngrifff 50ft (15m) neben dem Springer gefunden. Zeugen berichteten, dass der Springer nach dem Abtrennen versuchte, sich zu stabilisieren.
Das Skydiver Information Manual empfiehlt B-, C- und D- Lizenz Besitzern eine Entscheidungshöhe von 1800ft (ca. 548m) und Schülern und A-Lizenz Besitzern eine Entscheidungshöhe von 2500ft (ca. 762m). Eine ausreichende Höhe für das Einleiten der Notfallprozedur, ein sofortiges Einleiten der Reserve-Öffnung oder eine RSL hätten der Reserve genug Zeit geben können sich voll zu entfalten.
Wenn unter der eingestellten Funktionshöhe dieses AADs (225m) abgetrennt wird sollte man sich nicht auf das AAD verlassen. Eine RSL ist ein besseres Sicherheitsnetz bei niedrigen Cutaways.
An einem gewissen Punkt unter einer schnell sinkenden Störung ist es nicht mehr sicher einfach abzutrennen. Der Springer sollte dann die Reserve dazuziehen ohne zuvor abzutrennen.
Regelmäßiges Üben der Notfallprozedur hilft in Streßsituationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Alter, Geschlecht: 46 Jahre, männlich
Gesamtzahl Sprünge: 11
Jahre im Sport: nicht bekannt
System: Sun Path Student Javelin
Hauptkappe: Performance Designs Navigator 280
Reserve: Performance Designs PD 253R
AAD: Airtec Cypres
RSL: ja
Todesursache: Gebrochenes Genick. Wahrscheinlich durch Fehlfunktion des Gurtzeugs
Unfallhergang:
Ein AFF Schüler hatte einen erfolgreichen Category D Sprung. Während des Öffnungsvorganges verdrehte der Schüler seinen Körper, sodass er Kopfsteil wurde. Der Hauptschirm öffnete ohne Störung, drehte sich jedoch steil und der Springer schlug so auf dem Boden auf.
Schlußfolgerung:
Der Schüler sprang ein Gurtzeug mit einem verstellbaren Main Lift Web, wie es oft von Sprungschulen verwendet wird um alle Körpergrößen abzudecken. Inspektionen ergaben, dass das Gurtzeug dort versagte, wo das Main Lift Web durch die Halterung gezogen wird.
Offenbar verursachte diese Fehlfunktion auf der linken Seite des Gurtzeuges ein plötzliches Absacken der Person sodass sie mit dem Kinn am Brustgurt hängen blieb und sich das Genick brach. Es wird vermutet, dass der Tod sofort eintrat. Das ungleichmäßige Hängen im Gurtzeug verursachte die Drehung des Hauptschirmes.
Die unstabile Haltung während dem Öffnungsvorgang könnte möglicherweise eine ungewöhnliche Kraft auf den besagten Punkt am Gurtzeug ausgeführt haben, die genaue Ursache konnte jedoch anhand des Berichts nicht ermittelt werden. Der Hersteller gab ein Service Bulletin heraus, das alle verstellbaren Gurtzeuge dieser Firma betrifft. Das Bullentin empfiehlt eine Inspektion durch einen FAA rigger in Amerika oder einen entsprechenden Techniker eines anderen Landes.
Die Ausrüstung wurde von den lokalen Behörden nicht freigegeben oder von dem Hersteller untersucht.
Nichttötliche Unfälle
Unfallberichte aus dem USPA Parachutist Alter: 52 Alter: 40 Alter: 23
aus dem Englischen von Uschi Wagner
Geschlecht: männlich
Gesamtzahl Sprünge: 601
Jahre im Sport: nicht bekannt
Todesursache: Harte Landung unter einem schnell drehenden, eingedrehten Hauptschirm
System: Mirage G3
Hauptkappe: PD Sabre2 150
Reserve: Precision Aerodynamics Micro Raven 150
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Unfallhergang:
Nach einem normalen Freifall und Schirmfahrt befand sich der Springer unter einem eingedrehten Hauptschirm und schnell drehend von ca. 75m bis zum Boden.
Schlussfolgerung:
Mehrere Personen sahen den Springer am Beginn der Schirmfahrt unter einer einer landbaren Kappe. Ein Zeuge berichtete, dass der Springer eine aggressive Drehung mit der Steuerleine einleitete welche die Verdrehungen verursacht haben könnte. Trotzdem sah niemand den Springer in dem Moment in dem sich die Leinen eindrehten.
Weil die Verdrehung in ca. 75m über Grund passierte wird angenommen, dass sie durch eine aggressive Drehung verursacht wurde. Der Wind zum Unfallzeitpunkt wurde mit 7 m/s angegeben. Da sich der Springer in einem Bereich befand, in dem Turbulenzen auftraten wird auch angenommen, dass das Einfluss auf die Unfallursache machte. Der Springer war zu niedrig um sicher abzutrennen und die Reserve zu ziehen und es war ihm nicht möglich, sich auszudrehen.
USPA bekommt einige Male pro Jahr solche Unfallberichte. Glücklicherweise waren die meisten Springer hoch genug um abzutrennen und die Reserve zu ziehen. Jeder Springer sollte die Grenzen seines Schirmes kennen.
Wenn man sich in einer unlösbaren Situation in Bodennähe befindet, kann man nur gewinnen wenn man die Reserve dazu öffnet.
Geschlecht: männlich
Gesamtzahl Sprünge: 228
Jahre im Sport: 2
Todesursache: Harte Landung nach niedriger Drehung
System: Mirage
Hauptkappe: PD Sabre 190
Reserve: Precision Aerodynamics Raven 218
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Unfallhergang:
Nach einem langen Spot entschloss ich der Springer und sein Sprungkollege außerhalb des Sprungplatzes auf einem Feld zu landen. Der Kollege landete ohne Zwischenfall. Zeugen sahen den Springer bei einer 270° Drehung in niedriger Höhe, was zu einer harten Landung führte. Er zog sich einige Knochenbrüche und innere Verletzungen zu. Trotz sofortiger Erstversorgung starb der Springer im Krankenhaus.
Schlussfolgerung:
Der Springer versuchte einem Seil auszuweichen, dass sich in der Mitte des Feldes in ungefähr 7m Höhe befand. Mit seinem ungefähren Exitgewicht von 111kg hatte er ein Wing Loading von 1,3:1. Das ist höher als das, vom Hersteller empfohlene für Experten.
Springer müssen sich über die Konsequenzen, die ein Springen mit Kappen mit hohem Wing Loading mit sich bringt im Klaren sein. Das Thema Schirmfahrt und Canopy Control können erst dann aufkommen wenn der Springer mit schwierigen Situationen (Außenlandung...) konfrontiert wird.
Springer sollen ihre Landung in freiem Gebiet planen. Das Ausbildungsmanual der USPA lehrt halbgebremste Landungen um auf unvorhergesehene Situationen vorzubereiten. Eine halbgebremste Drehung braucht weniger Höhe und ist eine sicherere Lösung für Richtungsänderungen in niedriger Höhe. Trotzdem müssen alle Drehungen in ausreichender Höhe abgeschlossen sein.
Geschlecht: männlich
Gesamtzahl Sprünge: 350-400
Jahre im Sport: 3
Todesursache: Freifallkollision gefolgt von einer harten Landung
System: Rigging Innovations Voodoo
Hauptkappe: Atair Aerodynamics Cobalt 105
Reserve: nicht bekannt
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Unfallhergang:
Der Springer verließ als letzter das Flugzeug um bei einem 7-way RW Sprung teilzunehmen. In ca. 3050m, während der Springer noch immer der Formation nachflog kollidierte er mit einem anderen Springer. Beide Springer öffneten sofort den Hauptschirm. In ca. 30m verlor der Springer an Kraft und landete hart ohne zu flairen.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer konzentrierte sich nicht auf den Verlauf seines Fluges zur Formation und bremste nicht ab. Die Differenz zwischen seiner Geschwindigkeit und der der Formation war so groß, dass sie zu einer harten Kollision zwischen ihm und dem anderen Springer führte. Der Springer der starb trug keinen Helm und litt an Kopfverletzungen durch die Kollision.
Die Untersuchungen ergaben, dass die Verletzungen, die sich der Springer während der Landung zu zog zu seinem Tod führten.
Aus dem Englischen von Uschi Wagner
Alter: 33 Jahre
Geschlecht: männlich
Gesamtzahl Sprünge: 1500
Jahre im Sport: 5
Todesursache: Harte Landung im Wasser nach dem Versuch durch den Wassergraben zu landen
System, Hauptkappe, Reserve, AAD und RSL: nicht bekannt
Unfallhergang:
Nach einem unspektakulären Freifall und einer normalen Schirmfahrt versuchte dieser Springer durch den Wassergraben zu swoopen. In 15 oder 20 Metern begann er eine Drehung mit der Steuerleine (Toggle Turn). Nur knapp verfehlte er den Rand und schlug auf dem Wasser auf wobei seine Kappe ungefähr auf gleicher Höhe mit ihm war. Er wurde sofort aus dem Wasser gezogen und ein anwesender Springer, der auch Arzt war führte Wiederbelebungsversuche durch. Trotzdem verstarb er an den Verletzungen, die er sich beim Aufprall auf dem Wasser zugezogen hatte.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer wollte durch einen Wassergraben swoopen welcher von Gebäuden und Bäumen umgeben war was seine Ausweichmöglichkeiten sehr einschränkte. Es wurde berichtet, dass er sehr wenig Erfahrung bei Landungen mit high perfomance Kappen hatte. Seine letzte Drehung in dieser niedrigen Höhe (15 - 20 m) war zu niedrig um seinem Schirm die Zeit zu geben wieder auszuleveln.
Bei einem harten Aufschlag kann die Landung im Wasser auch sehr starke Verletzungen hervorrufen. Springer, die eine schwierige Landung planen, sollten sich über die Ausweichmöglichkeiten und Alternativen im Klaren sein.
Alter: 34
Geschlecht: männlich
Gesamtzahl Sprünge: 404
Jahre im Sport: 2
Todesursache: Harte Landung nach niedriger Drehung
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: PD Sabre2 150
Reserve: PD 193R
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Unfallhergang:
Nach einem unspektakulären Freifall und einer normalen Schirmfahrt leitete dieser Springer eine 180° Drehung in ungefähr 15 Metern ein. Er schlug noch während der Drehung auf den Boden auf und verstarb nach ca. 10 Stunden im Spital an seinen Verletzungen.
Schlussfolgerung:
Dieser Springer hatte sich erst kurz davor einen kleineren Schirm zugelegt um nach eigenen Angaben high performance Landungen zu erlernen. Er wurde vom DZ Personal wegen seiner nicht ausreichenden Erfahrung und der gefährlichen Manöver der letzten Wochen vor dem Unfall gewarnt. In den zwei Nächten vor dem Unfall hatte er jeweils nur etwa vier Stunden Schlaf. Vor dem Sprung war er sehr hektisch und kam fast zu spät zum Flugzeug. Sein Exit-Gewicht war laut Herstellerangaben im "Expert" Bereich. Von den 404 Sprüngen die er hatte waren die meisten mit größeren Kappen.
Springer die ihre Kappengröße verringern sollten sich genaue Informationen und eine gute Einweisung durch einen erfahrenen Fallschirmspringer einholen. Drehungen müssen in ausreichender Höhe beendet werden um dem Schirm genügend Zeit zu geben wieder auszuleveln.
Alter: 45
Geschlecht: männlich
Gesamtzahl Sprünge: 170
Jahre im Sport: 2
Todesursache: Harte Landung im Wasser nach dem Versuch durch den Wassergraben zu landen
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: PD Vengeance 170
Reserve: PA Raven 2
AAD: Airtec Cypres
RSL: Ja
Unfallhergang:
Nach einem unspektakulären Freifall und einer normalen Schirmfahrt leitete dieser Springer eine 30° Drehung ein um über einen Wassergraben zu swoopen. Er schlug noch während der Drehung auf dem Wasser auf. Zeugen berichten, dass er keine Versuche unternahm den Schirm vor dem Einschlag zu bremsen. Er wurde aus dem Wasser gezogen und Wiederbelebungsversuche wurden durchgeführt aber er verstarb an den Verletzungen die er sich beim Einschlag zugezogen hatte.
Schlussfolgerung:
Sein Exit-Gewicht war laut Herstellerangaben im "Expert" Bereich. Seine Gesamtsprunganzahl betrug 170, welche nur sehr wenige Springer als "Expert" empfinden. Seine vorhergehenden Erfahrungen und Trainings sind nicht bekannt.
Dass das Swoopen über einem Wassergrabens sicherer ist, als über Land ist ein Irrglaube. Bei hohen Geschwindigkeiten kann Wasser genau die geleichen schweren Verletzungen hervorrufen. Drehungen müssen in ausreichender Höhe beendet werden um dem Schirm genügend Zeit zu geben wieder auszuleveln.
Alter: 28
Geschlecht: männlich
Gesamtzahl Sprünge: 800-900
Jahre im Sport: 4
Todesursache: Keine Schirmöffnung nach Freifallkollision
System: Stunts Eclipse
Hauptkappe: PD Stiletto 120
Reserve: PD 126R
AAD: Airtec Cypres
RSL: Nein
Unfallhergang:
Bei diesem Sprung wurde ein Freefly Trainings Sprung mit einem USPA Coach durchgeführt, der einen Springer mit etwa 35 Sprüngen coachte. Beide begannen erst im Headdown, der weniger erfahrene Springer machte eine Transition ins Sitflying. Der Coach war noch immer im Headdown als er mit dem Schulter und dem Knie des anderen Springers kollidierte. Der Coach wurde bewußtlos, und er fiel ohne einen geöffneten Schirm auf die Erde.
Schlussfolgerung:
Über das Freefly-Können des Instructors gibt es keine Information. Die Fallrate kann während einem Freefly-Sprung sehr stark variieren besonders wenn ein Springer gerade mit dieser Disziplin beginnt. Beginner tendieren oft dazu "aus der Position zu fallen" und eine langsamer fallende Körperposition einzunehmen. Solange bis er absolut sicher ist sollte der Anfänger in kleinen Gruppen springen und besonders darauf achten, dass nicht über- und/oder unterflogen wird.
Der Instructor hatten einen Hartschalen-Helm auf und ein Cypres. Das Cypres hatte den Loop durchgeschnitten, da das Gerät aber sehr stark beschädigt wurde, kann nicht mehr klar festgestellt werden ob es schon beschädigt war oder ob es ausgeschalten war und erst beim Aufschlag aktiviert wurde. Es wurde zum Hersteller geschickt.
Alter: 27
Geschlecht: männlich
Gesamtzahl Sprünge: 1200+
Jahre im Sport: 6
Todesursache: Harte Landung unter einer drehenden Störung
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: PD Sabre 135
Reserve: PA Raven 150-M
AAD: Airtec Cypres
RSL: Nein
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall öffnete der Springer seinen Hauptschirm welcher sofort stark zu drehen begann. Zeugen sahen, wie der Springer versuchte seine Kappe zu steuern indem er den gegenüberliegenden Riser nach unten zog. In ungefähr 30 Metern machte der Schirm noch zwei steile Drehungen und knallte dann in der Drehung auf den Boden. Der Springer wurde mit dem Helikopter von dem Sprungplatz geflogen und erlag einige Stunden später seinen schweren Verletzungen.
Schlussfolgerung:
Vermutlich war eine Steuerleinen gelöst, als der Schirm sich öffnete. Das kann zu starken Drehungen führen. Die noch verstaute Steuerleine konnte während Tests am Boden leicht gelöst werden. Ein schnelles nach unten ziehen beider Steuerleinen hätte das Problem vermutlich gelöst.
Wenn aus irgend welchen Gründen das Lösen der Steuerleine nicht möglich gewesen wäre, so wäre Abtrennen und Reserve ziehen vermutlich die bessere Lösung gewesen. Wenn ein Springer entscheidet, eine leichte Störung zu landen, so sollte er immer die Größe des Schirms, die Schwere der Störung und seine Erfahrung im Kontrollieren der Kappe in betracht ziehen. Manche Störungen die kein Problem bei größeren Kappen darstellen (Fangleinenverdrehung, Slider oben, Kappe gerissen,...) können bei kleinen Kappen ein Grund zum Abtrennen sein.
Alter: 22
Geschlecht: männlich
Gesamtzahl Sprünge: 275
Jahre im Sport: 1
Todesursache: Harte Landung durch eine zu tiefe Drehung
System: Altico Dolphin
Hauptkappe: PD Vengeance 150
Reserve: PISA Tempo 210
AAD: Airtec Cypres
RSL: nicht bekannt
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und einer normalen Schirmfahrt machte dieser Springer in ca. 50 Metern eine 180° Drehung. Er schlug zuerst mit den Beinen, dann mit dem Kopf auf. Er hatte einen Helm auf, verstarb aber trotzdem.
Schlussfolgerung:
Wie berichtet wird, hatte der Springer erst kurz zuvor von einem wesentlich größeren Schirm hinuntergestuft. Sein Wing Loading betrug 1,63:1. Der Hersteller empfiehlt dieses Wing Loading nur für "Experten" (die meisten Springer finden 275 Sprünge zu wenig für einen "Experten"). Es wurde nicht berichtet, ob er eine Schirmeinweisung vor dem Kauf oder vor dem ersten Sprung bekommen hatte. Springer, die auf eine kleinere Kappe wechseln, sollten ein gutes Training von einem erfahrenen Springer erhalten.
Drehungen müssen in einer ausreichenden Höhe beendet werden um dem Schirm Zeit und Höhe zu geben um wieder auf Level zu kommen.
Unfälle mit nicht tödlichem Ausgang: