Fallschirmgeschichte.

Der Fallschirm

Die Geschichte des Fallschirms, neben dem Drachen eines der ältesten Luftfahrtgeräte,
geht auf die Zeit des chinesischen Kaisers Fo-Kien zurück. Anläßlich seiner Krönungsfeier (1306)
sprangen Artisten mit Geräten von hohen Türmen. Mit diesen Sprüngen wurde das Volk unterhalten. Über die Beschaffenheit dieser “Fallschirme” gibt es leider keine Berichte.

Wie in vielen Bereichen der Technik, so gilt Leonardo DaVinci auch als Erfinder des Fallschirms. In dem als ältesten bekannten Entwurf, der aus dem Jahre 1495 stammt, zeichnete er einen pyramidenförmigen Fallschirm, bestehend aus vier Segeltuchdreiecken von insgesamt 36qm Fläche, Rahmen und fünf Tragschnüren. DaVinci gab als erster auch eine theoretische Begründung der Wirkungsweise. Hinweise ob dieser Schirm tatsächlich gebaut und erprobt wurde, gibt es nicht.

 
 
 
 
 

Erst über hundert Jahre später beschäftigte sich der in Venedig lebende ungarische Mathematiker Fauste Veranzio wieder mit dem Fallschirm. In seiner 1616 veröffentlichten technischen Abhandlung ist die Abbildung des “homo volans” (fliegender Mensch) enthalten. Sein Schirm bestand aus einem 8x8 m großen tuch, welches mit einem Holzrahmen versteift war, von dem vier Schnüre ausgingen, welche der Springer sich um den Leib schlang.
Veranzio soll diesen Schirm 1617 praktisch erprobt haben. Er stellte auch fest, daß ein Fallschirm erst nach einer gewissen Zeit soviel Luft unter sich verdichtet, daß der Mensch mit einer gefahrlosen Geschwindigkeit zur Erde gelangt und daß mit zunehmenden Gewicht des fallenden Körpers sich auch die tragende Fläche des Fallschirms im Verhältnis vergrößern müsse.

 

Im 18. Jahrhundert experimentierten Joseph Montgolfier, der spätere Erfinder des Heißluftballons, und der Physiker Sebastian Lenormand - unabhängig voneinander - mit dem Fallschirm.
Montgolfier stürzte sich 1777 vom Dach seines Hauses in Annonay, überzeugt von Berechnungen über den Luftwiderstand und aufbauend auf kleineren Versuchen. Der Absprung glückte, Frau und Eltern waren aber so entsetzt, daß er versprechen mußte, dies nicht zu wiederholen. 1779 nahm er die Versuche - diesmal mit Tieren - wieder auf. Ein Hammel wurde erfolgreich vom Papstpalast in Avignon (35m hoch) abgesetzt. Der halbkugelförmige Schirm hatte einen Durchmesser von 2,5 m und war mit 12 Fangleinen mit einem Weidekorb verbunden.

   
   
   
   
 

Lenormand machte seinen Absprung am 26. Dezember 1783 von einem Baum. Die beiden Schirme die er benutzte, hatten einen Durchmesser von 1,5 m und die Enden der Fangleinen waren mit einer 1,5 m langen Holzleiste verbunden, an der Lenormand festhielt. Die Experimente wurden mit neuem Fallschirm - zunächst mit Lasten und Tieren - wiederholt. Dieser Fallschirm war kegelförmig, hatte einen Durchmesser von 4,5 m, eine Kegelhöhe von 2 m und eine Fläche von 16 qm. Mit 32 Fangleinen waren Schirm und ein gepolsterter Holzsitz verbunden. Der Erfinder selbst sprang mit diesem Schirm vom Observatorium in Montpellier.

In der weiteren Folge geriet die Entwicklung des Fallschirms mit der Erfindung des Heißluftballons in eine neue Phase. Nun dienten nicht mehr Türme, Häuser, Bäume und Felsvorsprünge zum Absprung, sondern Ballone in größeren Höhen.

Jean Pierre Blanchard konstruierte 1784 einen Schirm mit einer flachen Kappe von 7 m Durchmesser. Diesen Schirm, dessen Stiel bis in die Gondel reichte, befestigte er unter dem Ballon. Im Notfall sollte er als Rettungsgerät dienen. Blanchard setzte vom Ballon mit kleinen Fallschirmen Tiere ab. Am 21. Vovember 1785 erwies sich sein Fallschirm als wirkliches Rettungsgerät. Sein Ballon drohte - infolge von Überdruck - zu zerplatzen. Blanchard stieß, um ein Platzen zu vermeiden, einige Löcher in den Ballon. Das Gas strömte aber derart rasch aus, daß er sich nur mehr mit dem Fallschirm retten konnte. Dies war zugleich die erste Luftrettung in der Geschichte der Luftfahrt.

Den ersten freiwilligen Absprung aus einem Luftfahrzeug machte der französische Luftschiffer Andre Jacques Garnerin. Am 22. Oktober 1797 sprang er von einem Ballon aus 1000 m Höhe über Paris ab. Garnerin zerschnitt die Halteschnüre - der Fallschirm hing schlaff am Ballon - zwischen Ballon und Fallschirm. Im selben Moment zerplatzte der offensichtlich zu prall gefüllte Ballon. Mit zunehmender Fallgeschwindigkeit öffnete sich der Fallschirm und schwebte in Pendelbewegungen zu Boden. Da die Kappe noch keine Scheitelöffnung hatte, mußte die Luft seitwärts ausweichen, was zu den starken Pendelbewegungen führte. Garnerin berücksichtigte diese Erfahrung bei der Konstruktion des nächsten Fallschirms. Die Kappe hatte jetzt oben eine Scheitelöffnung, so daß die angestaute Luft nach oben entweichen konnte und somit die Pendelbewegungen ausblieben.

Von Anfang an war das Fallschirmspingen nicht nur reine Männersache. Elisabeth Garnerin sprang über vierzig Mal aus dem Ballonkorb. Die Französin Poitivin vollführte zwischen 1849 und 1852 insgesamt 38 Absprünge. Ihr Höhenrekord von Parma, aus 1800 m Höhe, wurde erst 1931 von der Deutschen Lola Schröter mit einem Sprung aus 6000 m Höhe überboten.

Seit dieser Zeit war die Entwicklung nicht mehr zu bremsen. In Deutschland konstruierte
Otto Heinecke den ersten verpackten Automatikschirm. Der verpackte Schirm war mit einer Leine mit dem Flugzeug verbunden. Die Öffnung erfolgte automatisch, ein Hängenbleiben am Flugzeug war weitgehend ausgeschaltet.

Am 28. April 1919 setzte der Amerikaner Leslie L. Irvin einen weiteren Meilenstein. Er sprang aus 450 m Höhe aus einem Doppeldecker und ließ sich frei durch die Luft fallen, ohne mit dem Flugzeug verbunden zu sein. Richard Kohnke, der Vater des deutschen Fallschirmsports, sprang 1930 aus 7800 m Höhe ab und ließ sich 142 Sekunden lang frei fallen.

Bis zum heutigen Tage hat die Entwicklung nicht aufgehört. Heute springt man mit äußerst zuverlässigen und steuerbaren Flächenschirmen und es werden Öffnungsautomaten benutzt, um einen hohen Grad an Sicherheit zu gewährleisten.



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