Elis Rigger Kurs.
RIGGER WERDEN IN DEN USA
Ein Bericht
In den Staaten von Amerika dürfen "Certificated Parachutes"(alle Fallschirme die TSO haben) nur von Riggern gepackt werden.Praktisch alle Reservefallschirme haben dort TSO.
In vielen anderen Staaten dürfen Fallschirmspringer ihre Reserven selber packen, ungeachtet ihres wirklichen Wissens und Könnens.
In einigen Ländern ist man gerade im Begriff, dies nun dahingehend zu ändern, daß nur "Lehrer", "Packer" oder "Reservepacker" (die es z.B. in Österreich noch nicht gibt) Reserve-Packjobs durchführen dürfen. Reparaturen aber dürfen auch diese Personen nicht durchführen.
Der Begriff des Amerikanischen Riggers umfaßt aber mehr als nur Reservepacken. Er schließt das Durchführen von Inspektionen ( kein Repack ohne Inspektion!) und Reparaturen ein. Der Schwierigkeitsgrad der Reparaturen, die ein Rigger durchführen darf, hängt von seinem Können und seiner Qualifikation, d.h. Senior- oder Master-Rigger, ab.
Da es in Österreich bislang noch keine Möglichkeit gibt, Rigger zu werden und ich außerdem noch jede Menge dazulernen wollte, was Reserven und Reparaturen angeht, entschloss ich mich Ende letzten Jahres, einen entsprechenden Kurs bei einem Profi-Unternehmen in den USA zu besuchen:
RIGGING INNOVATIONS in Arizona bot einen gut zweiwöchigen Kurs an. Mit 2.000 US-Dollar sicher nicht billig, aber, um das gleich vorweg zu nehmen, jeder Dollar war sein Geld wert!
Sandy Reid, den Besitzer von RIGGING INNOVATIONS, hatte ich beim letzten PIA-Symposium in San Diegeo kennengelernt; er ist schon sehr lange im Geschäft, er wird auch im "POYNTER", der "Bibel" für Rigger, mehrfach erwähnt.
Was mich gleich zu Beginn am meisten beeindruckte, war die Professionalität, die Freundlichkeit der Ausbilder. Und die enorme Größe und der Platz, den RIGGING INNOVATIONS nun nach der Übersiedlung von Californien nach Eloy in Arizona hat.
"Dieser Raum", den Du hier siehst," sagt Sandy, "der ist nur für den Rigging-Unterricht." Turnhallen-Größe!
Es fanden sich nach und nach fünf "Schüler" ein. Chat aus Colorado und ich wollten Senior-Rigger werden, Sascha aus der Schweiz(Locarno) war mit dem Texaner Chuck und dem Dänen Jan für den Master-Rigger-Kurs gekommen.
Zur Unterscheidung: ein "Master-Rigger" darf eigentlich alles machen, er könnte sich sogar sein eigenes Gurtzeug entwerfen und bauen.... ein "Senior" darf Inspektionen und Reparaturen sowie Hersteller-Modifikationen ausführen, aber keine Änderungen vornehmen. Auch Gurtzeug(Harness)-Eingriffe sind noch tabu.
Wie schon erwähnt: die recht hohen Kurs-Kosten schreckten mich zwar anfangs, aber das enorme Wissen, das vermittelt werden sollte, reizte mich, also nahm ich den Kurs. Obwohl zu den 2.000 US-Dollars noch Kosten für Prüfer und natürlich das Geld für den Flug und das Leben hinzukamen.
Der Kurs selbst war für 15 Tage angesetzt. Beginn war morgens um 8.00 Uhr, offiziell endete er abends um 18.00 Uhr; es zeigte sich aber, dass wir meist morgens früher dort waren und dafür abends länger blieben.... zu interessant war alles. Und die Fülle des Stoffes war gewaltig. Ausserdem begann jeder Tag mit einem schriftlichen Test; alleine für diesen Test brauchte ich so ein, zwei Stunden extra täglich, um ihn vorzubereiten.
Die praktische Ausbildung begann mit dem Packen von Flächen- und auch von Rundkappenreserven. Diese sind wenigstens in den USA doch noch sehr verbreitet
Und auch hier in Europa gibt es noch viele. Ferner ging es dann ans Nähen und Reparieren. Was ich extrem gut fand, war, dass wir auch an wirklich alte Sachen, z.B. einen SAFETY FLYER (Sandy hat einen mit der Nr.-1-!) herangelassen wurden. Sowas kann einem immer mal als Rigger über den Weg laufen und dann ist es gut, wenn man auch das kann!
Unser kleiner Kurs machte unter dem Leiter Mark SCHLATTER, Sandy als "technical advisor" und Wayne, der ehemals den Rigging-Laden in Eloy führte und hier im Kurs die Nähmaschinenkunde übernahm, schnelle Fortschritte. Lediglich mit dem verflixten Umrechnen von metrischen auf US-Maße hatte ich anfangs Probleme. Was 1m ist, hat man in Gefühl. Was aber sind 23/32 inch? Und wozu braucht man das?....
Das Beste am Kurs war, dass wir zu keiner Zeit unbetreut waren. Und die Lehrer waren zu ihren "lessons" irre gut vorbereitet. Dabei blieben sie aber nicht an ihrem Lehrfaden kleben, sondern waren auch offen für eigene "Projekte" und wenn man Extra-Fragen hatte (Softlinks, Leinenaustausch, velcroless Toggles etc). Der Kurs ging schnell dahin und rasch war es Zeit für die Prüfungen.
Die theoretische Prüfung war ein multiple-choice-test, der über ein Computerprogramm abgewickelt wurde. Wir mußten dazu nach Phoenix fahren, anderthalb Autostunden von Eloy entfernt. Für 50 Fragen hatte man zwei Stunden Zeit, 72% wenigstens müssen richtig sein. Der praktische Test wurde in Marana abgehalten, Tony FROST, ein FAA-Prüfer, nimmt ihn dort an seiner eigenen Drop-Zone (SKYDIVE MARANA) ab, die auf halbem Wege nach Tuscon liegt. Auf diese Weise stellt RIGGING INNOVATIONS klar, dass die Tests objektiv sind und den Schülern nichts geschenkt wird!
Mich z.B. ließ Tony FROST bei der "Praktischen" eine Gurtzeug-Inspektion vornehmen. Dazu stellte er mir aus einem Fragen-Katalog zu allen Bereichen Fachfragen. War man gut, ging`s weiter. Hatte man einen "Hänger", kamen solange Nachfragen, bis Tony registrierte, dass man das Metier konnte. In meinem Falle ging er sehr gründlich auf Materialkunde und "Bruchbelastungen" ein. Nachdem ich dann noch eine Öse getauscht hatte, musste ich noch eine Reserve packen – fertig. Mit 84% Theorie und 99% Praxis hatte ich meinen Senior-Rigger bestanden.
Es erwies sich als sehr gut, dass wir den Kurs nicht auf die leichte Schulter genommen hatten. Und Vorkenntnisse besaßen, vor allem, was Reserve-Packjobs anbetraf. Schlecht ist es, wenn man wenig oder kein Englisch kann.
Wichtig während des Kurses ist es, konsequent zu lernen. Wir bildeten jeden Abend "Lern-Gruppen".
Ganz sicher werde ich zugegebener Zeit den Kursus zum "Master" machen. Und ebenso sicher werde ich diesen Kurs wieder bei RIGGING INNOVATIONS machen! Ganz herzlichen Dank also an dieser Stelle der "US-Academy of Parachute-Rigging", wie die Schule Sandy`s offziell heisst, und allen seinen Lehrern. Ich kann ihn wirklich sehr empfehlen! Und gerne stehe ich Euch für weitere Fragen, was den Kurs angeht, zur Verfügung.
BLUE SKIES
Eli
Email : elis.shop@eunet.at
Tel/Fax : Österreich 01 4787273